Bakterien und Archaeen
Unter guten Laborbedingungen kann sich eine E.-coli-Zelle in etwa 20 Minuten in zwei Zellen teilen.
Drei häufige Formen
Bakterien werden oft nach ihrer Form beschrieben. Runde heißen Kokken (Einzahl: Kokkus), stäbchenförmige heißen Bazillen. Für gekrümmte Formen gibt es mehrere Namen: Eine kommaförmige Krümmung kennzeichnet ein Vibrio, eine starre Spirale ein Spirillum und eine bewegliche Schraubenform eine Spirochäte. Allein an der Form erkennt man die Art nicht. Sie gehört aber zu den ersten Merkmalen, die man bei einer mikrobiologischen Untersuchung unter dem Mikroskop festhält.
Im Inneren eines Bakteriums
Eine Bakterienzelle hat keinen Zellkern. Ihre DNA liegt in einem Bereich, dem Nukleoid. Die meisten Bakterien besitzen ein einziges ringförmiges Chromosom, es gibt jedoch Ausnahmen mit linearen Chromosomen. Das Cytoplasma enthält viele Ribosomen, die Proteine aufbauen. Es ist von einer Plasmamembran umgeben. Außerhalb davon besitzen die meisten Bakterien eine Zellwand mit Peptidoglycan, einem Netz aus Zuckern und kurzen Proteinketten. Manche Bakterien haben zusätzlich eine schleimige Kapsel außerhalb der Wand, peitschenartige Geißeln zum Schwimmen und kurze haarartige Pili zum Anheften an Oberflächen.
Zweiteilung
Die meisten Bakterien vermehren sich durch Zweiteilung, eine einfache Teilung in zwei Zellen. Zunächst wächst die Zelle und stellt mehr von ihren Bestandteilen her. Die Verdopplung des Chromosoms beginnt an einer Stelle, dem Replikationsursprung, und läuft in beide Richtungen um den Ring, bis beide Kopien vollständig sind. Das Protein FtsZ lagert sich dann in der Zellmitte zu einem Ring zusammen, dem Z-Ring. Weitere Proteine kommen hinzu. Eine neue Wand und Membran wachsen als Trennwand, das Septum, nach innen. Die Zelle schnürt sich in zwei Tochterzellen ab, jede mit einer vollständigen Genomkopie. Die Fortpflanzung der Prokaryoten ist stets ungeschlechtlich, obwohl Bakterien auf anderen Wegen Gene austauschen.
Zum Drehen ziehen. Zum Zoomen scrollen oder zwei Finger auseinander- oder zusammenziehen.
Zweiteilung ist nicht der einzige Weg. Manche Cyanobakterien bilden viele Nukleoide entlang eines Fadens und zerfallen dann gleichzeitig in viele neue Zellen. Das heißt Fragmentierung. Andere Bakterien bilden an einem Ende einen schmalen Fortsatz, dessen Spitze zu einer kleineren Zelle anschwillt, einer Knospe. Das Riesenbakterium Epulopiscium bildet mehrere Tochterzellen im Inneren der Mutterzelle. Diese bricht anschließend auf und setzt sie frei.
Bakterien sind weit über das Labor hinaus bedeutsam. Cyanobakterien betreiben dieselbe sauerstofffreisetzende Fotosynthese wie Pflanzen und Algen. Rhizobien in den Wurzelknöllchen von Erbsen und Bohnen wandeln Luftstickstoff in Ammoniak um, den die Pflanze in Proteine einbauen kann. Unzählige andere Bakterien zersetzen abgestorbenes Material in Boden und Wasser. Einige verursachen Krankheiten. Deshalb erfährst du in den nächsten Einheiten, wie schnell sie wachsen und wie Forschende lernten, sie zu erkennen.
Archaeen
Archaeen sehen unter dem Mikroskop wie Bakterien aus: einzelne Zellen ohne Zellkern. Sie haben aber eine eigene Entwicklungsgeschichte und unterscheiden sich in Genen, Chemie, Zellwänden und Membranen. Ihre Wände enthalten kein Peptidoglycan, einige methanogene Archaeen stattdessen den ähnlichen Stoff Pseudopeptidoglycan. Archaeen leben in fast jedem Lebensraum, auch an sehr heißen, kalten, sauren oder basischen Orten. Die farbigen Ringe des Morning Glory Pool, einer heißen Quelle im Yellowstone-Nationalpark, stammen von verschiedenen mikrobiellen Lebensgemeinschaften bei unterschiedlichen Wassertemperaturen.
| Bakterien | Archaeen | |
|---|---|---|
| Zellkern | Nein | Nein |
| Peptidoglycan | Bei den meisten vorhanden | Nein |
| Typische Größe | Etwa 1 µm | Ähnlich |
| Extreme Lebensräume | Einige | Viele |
- Formen: Kokken (rund), Bazillen (Stäbchen), gekrümmte Formen.
- Kein Zellkern; DNA im Nukleoid; Peptidoglycanwand bei den meisten Bakterien.
- Zweiteilung: DNA-Verdopplung, FtsZ-Ring, Septum, zwei Zellen.
- Archaeen: kein Peptidoglycan, viele in extremen Lebensräumen.
| Kokkus | Rundes Bakterium. |
| Bazillus | Stäbchenförmiges Bakterium. |
| Nukleoid | DNA-haltiger Bereich einer prokaryotischen Zelle. |
| Peptidoglycan | Netz aus Zuckern und kurzen Peptiden in den meisten Bakterienzellwänden. |
| Zweiteilung | Teilung einer Zelle in zwei gleiche Zellen. |
| FtsZ | Protein, das an der Teilungsstelle den Z-Ring bildet. |
- Ein stäbchenförmiges Bakterium heißt ...
- Bazillus
- Kokkus
- Spirillum
- Vibrio
- Wo liegt die DNA eines Bakteriums?
- Im Nukleoid
- In einem Zellkern
- In der Zellwand
- In der Geißel
- Welcher Stoff kommt in den Zellwänden der meisten Bakterien vor, aber nicht bei Archaeen?
- Peptidoglycan
- Cellulose
- Chitin
- Keratin
- Welches Protein bildet den Ring, an dem sich ein Bakterium bei der Teilung einschnürt?
- FtsZ
- RuBisCO
- Hämoglobin
- Aktin aus Muskeln
- Ordne die Schritte der Zweiteilung an.
- Eine Zelle teilt sich alle 20 Minuten. Wie viele Generationen sind das in 3 Stunden?
- Wie viele Zellen gibt es nach diesen 9 Generationen, wenn du mit einer Zelle beginnst?
- Cyanobakterien, die einen Faden gleichzeitig in viele neue Zellen zerlegen, vermehren sich durch ...
- Fragmentierung
- Knospung
- Zweiteilung
- Mitose
- Wo kommen Archaeen vor?
- Fast überall, auch in heißen Quellen und an sehr sauren Standorten
- Nur im menschlichen Darm
- Nur in der Tiefsee
- Nur auf Pflanzenblättern
- Die Fortpflanzung von Prokaryoten ist immer ...
- ungeschlechtlich
- geschlechtlich
- nur durch Sporen möglich
- mit Meiose verbunden
Quellen zu diesem Kurs (15)
- OpenStax Microbiology 1.1 What Our Ancestors Knew (fermented drink from rice, honey and fruit in Neolithic China by 7000 BC, Saccharomyces cerevisiae in bread, Leeuwenhoek 1675 "animalcules" in rain water, Golden Age of Microbiology 1857 to 1914; openstax.org/books/microbiology/pages/1-1-what-our-ancestors-knew)
- 1.3 Types of Microorganisms (about 100 µm to see with the eye, animal cell about 10 µm, bacteria about 1 µm, viruses about 100 nm, three domains, coccus/bacillus/spirillum, archaea without peptidoglycan and in extreme places such as Morning Glory pool, protists, algae, diatoms 2 to 200 µm, protozoa with cilia, flagella or pseudopods, fungi with chitin walls, more than 1000 yeast species, molds and penicillin, helminths, prions about one-tenth of a virus; .../1-3-types-of-microorganisms)
- 3.1 Spontaneous Generation (Aristotle, van Helmont's mice recipe of 3 weeks, Redi 1668 with six jars, Needham 1745, Spallanzani, Pasteur 1858 gun-cotton filter, swan-neck flasks, Alhumbert Prize 1862, 1864 lecture; .../3-1-spontaneous-generation)
- 3.2 Foundations of Modern Cell Theory (Semmelweis 1847, 10 to 20 percent vs 1 percent, chlorinated lime; Snow; Pasteur 1856 fermentation; Lister 1867 carbolic acid; Koch's postulates; .../3-2-foundations-of-modern-cell-theory)
- 6.1 Viruses (acellular, obligate intracellular parasites, DNA or RNA never both, capsid, envelope, spikes, helical/polyhedral/complex, 20 nm to 900 nm, Ivanovski 1892 with the Chamberland filter of 1884, pore 0.1 µm, Beijerinck 1898 and virus = poison, Stanley 1935, host range, bacteriophages, FDA 2006 phage spray on lunch meats; .../6-1-viruses)
- 9.1 How Microbes Grow (binary fission, FtsZ Z ring, generation time, E. coli 20 minutes, human generation 25 years, M. tuberculosis 15 to 20 hours, M. leprae 14 days, 2^48 = 281,474,976,710,656 after 24 h at 30 minutes, Nn = N0 2^n, lag/log/stationary/death, budding, fragmentation, Epulopiscium; .../9-1-how-microbes-grow)
- Royal Society: Philosophical Transactions 12:821-831, published 25 March 1677, Leeuwenhoek's Dutch letter of 9 October 1676 "concerning little animals" (doi.org/10.1098/rstl.1677.0003)
- Royal Society archive EL/L1/22 (letter to Oldenburg dated at Delft, 18 pages, partial translation by Oldenburg)
- Royal Society blog "Celebrating Leeuwenhoek", 2023 (first letter via de Graaf, Phil. Trans. 19 May 1673; 190 letters in fifty years; died 26 August 1723 aged 90)
- N. Lane 2015, Phil. Trans. R. Soc. B 370:20140344 (upwards of 1,000,000 creatures in a drop of pepper-water; letter read aloud over several sessions)
- Lens on Leeuwenhoek, letter L-040 (Oldenburg printed less than half; Hooke succeeded later in 1677)
- CDC MMWR 53(34):783, 2004, 150th Anniversary of John Snow and the Pump Handle (31 August 1854, handle removed 8 September 1854, Vibrio cholerae isolated 1883; cdc.gov/mmwr/preview/mmwrhtml/mm5334a1.htm)
- CDC History of Smallpox and Smallpox timeline (Jenner 1796; 33rd World Health Assembly declared the world free of smallpox on 8 May 1980; cdc.gov/smallpox/about/history.html)
- American Chemical Society, Discovery and Development of Penicillin landmark (Fleming 1928 at St Mary's Hospital London, paper June 1929, Florey and Chain at Oxford from 1939; acs.org/education/whatischemistry/landmarks/flemingpenicillin.html)
- Fleming 1929, Br J Exp Pathol 10:226. Sender, Fuchs and Milo 2016, PLoS Biol 14:e1002533 (3.8 × 10^13 bacteria and 3.0 × 10^13 human cells in a 70 kg reference man, ratio about 1.3, bacteria about 0.2 kg).
Abgerufen: 2026-10-17