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Schmelzen und Erstarren

Ein Becherglas mit Eis, das durch die Raumluft erwärmt wurde, blieb beim Schmelzen über eine halbe Stunde lang bei genau 0 °C.

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Quecksilber am Schmelzpunkt von −39 °C: fest und flüssig nebeneinander. Wenige Grad wärmer, und der Kristall ist verschwunden.

Stelle ein Becherglas mit Eis bei −12 °C auf den Labortisch. OpenStax zeigt, was geschieht. Nach zehn Minuten hat sich das Eis auf 0 °C erwärmt, und ein wenig ist geschmolzen. Dreißig Minuten später ist mehr geschmolzen, doch das Thermometer zeigt noch immer 0 °C. Erst wenn das letzte Eis verschwunden ist, steigt die Temperatur wieder und erreicht 22.2 °C. Die ganze Zeit hat das Eis Wärme aus dem Raum aufgenommen. Während des Schmelzens erhöhte diese Wärme die Temperatur jedoch nicht.

Wohin die Wärme geht

In einem Kristall wird jedes Molekül von seinen Nachbarn an seinem Platz gehalten. Beim Erwärmen eines Festkörpers schwingen die Moleküle stärker, und die Temperatur steigt. Am Schmelzpunkt reichen die Schwingungen aus, um Moleküle aus ihren festen Plätzen zu lösen. Von da an dient die zugeführte Energie dazu, diese Anziehungskräfte zu überwinden, nicht die Bewegung zu beschleunigen. Die Temperatur bleibt daher gleich, bis der ganze Festkörper flüssig geworden ist. Die Energie, die zum Schmelzen eines Mols eines Festkörpers nötig ist, heißt molare Schmelzenthalpie. Für Eis beträgt sie 6.01 kJ/mol; zum Schmelzen von 18.02 g Eis braucht man also 6.01 kJ.

Wie viel sind 6.01 kJ/mol? Vergleiche das mit dem Erwärmen. Flüssiges Wasser benötigt 4.18 J, um 1 g um 1 °C zu erwärmen; für 18.02 g sind das etwa 75.3 J pro Grad. Die 6.01 kJ, die dieses Mol Eis schmelzen, könnten das Schmelzwasser stattdessen um 6010 ÷ 75.3 ≈ 80 °C erwärmen. Deshalb bleibt ein Getränk mit Eis so lange kalt: Jeder Würfel nimmt viel Wärme auf, bevor er verschwunden ist. Bis dahin bleibt das Getränk nahe 0 °C.

Beim Gefrieren läuft derselbe Vorgang rückwärts ab. Wenn flüssiges Wasser bei 0 °C zu Eis wird, gibt es pro Mol 6.01 kJ ab. Schmelzen nimmt Wärme auf (ist endotherm); Gefrieren gibt Wärme ab (ist exotherm). Schmelzen und Gefrieren erfolgen bei derselben Temperatur. Der Schmelzpunkt von Eis und der Gefrierpunkt von Wasser haben daher denselben Zahlenwert. In einem vollkommen wärmeisolierten Gefäß bleibt ein Gemisch aus Eis und Wasser bei dieser Temperatur, wobei Schmelzen und Gefrieren gleich schnell ablaufen.

Jeder Stoff hat seinen eigenen Schmelzpunkt

Wie heiß ein Festkörper werden muss, bevor er schmilzt, hängt davon ab, wie stark sich seine Teilchen anziehen. Die folgenden Werte gelten bei einem Druck von 1 atm und stammen aus dem NIST Chemistry WebBook. Quecksilber ist das einzige Metall in der Liste, das bei Raumtemperatur flüssig ist. Es erstarrt bei −38.84 °C; unterhalb dieser Temperatur funktioniert ein Quecksilberthermometer deshalb nicht mehr. Stickstoff und Sauerstoff, deren Moleküle nur durch schwache Kräfte zusammengehalten werden, schmelzen mehr als 200 Grad unter null.

StoffSchmelzpunktSiedepunkt
Wasser0 °C (273.15 K)100 °C (373.15 K)
Ethanol−114 °C (159 K)78.4 °C (351.5 K)
Quecksilber−38.84 °C (234.31 K)356.66 °C (629.81 K)
Stickstoff−209.9 °C (63.3 K)−195.8 °C (77.34 K)
Sauerstoff−218.4 °C (54.8 K)−183.0 °C (90.2 K)

Jeder Reinstoff schmilzt bei einer bestimmten Temperatur. Deshalb lässt sich am Schmelzpunkt schnell prüfen, um welchen Stoff es sich handelt. Beginnt eine Probe unterhalb des erwarteten Werts zu schmelzen, ist sie wahrscheinlich nicht rein: Gelöste Verunreinigungen senken den Gefrierpunkt. Streusalz auf einer vereisten Straße wirkt genauso. Eine Salzlösung gefriert unterhalb von 0 °C, dem Gefrierpunkt von reinem Wasser. Deshalb schmilzt das Eis auch dann, wenn die Lufttemperatur unter 0 °C liegt (OpenStax 11.4).

Während ein Feststoff schmilzt, bleibt seine Temperatur am Schmelzpunkt. Eis nimmt beim Schmelzen 6.01 kJ pro Mol auf und gibt beim Gefrieren genauso viel wieder ab.

  1. Während Eis bei 0 °C schmilzt, …
    • bleibt seine Temperatur bei 0 °C
    • steigt seine Temperatur langsam
    • sinkt seine Temperatur unter 0 °C
  2. Wie viel Wärme in kJ ist nötig, um 2.00 mol Eis bei 0 °C zu schmelzen?
  3. Wie viel Wärme in kJ ist nötig, um 90.1 g Eis (18.02 g/mol) zu schmelzen? Runde auf 1 Nachkommastelle.
  4. Wenn Wasser gefriert, …
    • gibt es Wärme ab
    • nimmt es Wärme auf
    • nimmt es weder Wärme auf noch gibt es welche ab
  5. Welcher dieser Stoffe ist bei 20 °C flüssig?
    • Quecksilber
    • Stickstoff
    • Eis
  6. Ethanol schmilzt bei 159 K. Wie viel °C sind das, auf ganze Grad gerundet?
  7. Warum schmelzen Stickstoff und Sauerstoff bei so niedrigen Temperaturen?
    • Die Kräfte zwischen ihren Molekülen sind schwach
    • Ihre Moleküle sind sehr schwer
    • Sie enthalten keine Atome
  8. Ein weißes Pulver sollte bei 135 °C schmelzen, schmilzt aber zwischen 120 und 128 °C. Was ist der wahrscheinlichste Grund?
    • Es ist nicht rein
    • Das Thermometer zeigt Kelvin an
    • Schmelzpunkte ändern sich täglich
  9. Warum lässt Salz das Eis auf einer Straße bei −5 °C schmelzen?
    • Gelöstes Salz senkt den Gefrierpunkt von Wasser
    • Salz ist wärmer als Eis
    • Salz reagiert und brennt
  10. Ordne nach dem Schmelzpunkt, den niedrigsten zuerst.
Das Wichtigste
  • Die Temperatur bleibt am Schmelzpunkt, bis der gesamte Feststoff geschmolzen ist.
  • Schmelzenthalpie von Eis: 6.01 kJ/mol; beim Gefrieren wird dieselbe Energie wieder frei.
  • Schmelzpunkt = Gefrierpunkt.
  • Je stärker die Anziehung zwischen den Teilchen, desto höher der Schmelzpunkt.
Quellen zu diesem Kurs (8)
  • OpenStax Chemistry 2e (openstax.org/books/chemistry-2e): 1.2 Phases and Classification of Matter (matter, three states, plasma, mass and weight, Moon 1/6, conservation of matter, sand and clouds)
  • 9.2 gas laws (Boyle's law P1V1 = P2V2, syringe 15.0 mL 13.0 psi to 7.5 mL 26 psi, breathing, divers: every 33 ft of sea water adds 1 atm and halves the air volume at 33 ft, Amontons ~1700, Gay-Lussac ~1800, Charles, STP 273.15 K and 101.325 kPa, -273 °C absolute zero)
  • 9.5 kinetic-molecular theory (average kinetic energy proportional to kelvin temperature, KEavg = 3/2 RT, urms = sqrt(3RT/M), N2 at 30 °C 519 m/s, O2 at -23 °C 441 m/s)
  • 10.3 phase transitions (vapor pressure, normal boiling point at 1 atm = 101.3 kPa, Leadville 68 kPa about 90 °C, ΔHvap 44.01 kJ/mol at 25 °C and 40.67 kJ/mol at 100 °C, 1.5 L sweat 3600 kJ, ΔHfus 6.01 kJ/mol, ice at -12 °C staying at 0 °C while melting, CO2 sublimation 26.1 kJ/mol, frost is deposition, heating curve example 135 g ice -15 °C to steam 120 °C = 416 kJ with c ice 2.09, water 4.18, steam 1.86 J/g °C, burner turned up does not raise boiling temperature)
  • NIST Chemistry WebBook phase change data (webbook.nist.gov: ethanol Tfus 159 K, Tboil 351.5 K; nitrogen Tfus 63.3 K, Tboil 77.34 K; oxygen Tfus 54.8 K, Tboil 90.2 K; mercury Tfus 234.31 K, Tboil 629.81 K; CO2 triple point 216.58 K at 5.185 bar, solid vapour-pressure equation Giauque and Egan 1937 giving 194.7 K at 1 atm)
  • USGS Water Science School, Water Density (0.99987 g/cm³ at 0 °C, 1.00000 at 4 °C, 0.95865 at 100 °C; ice about 9% less dense)
  • Britannica, Boyle's law (Robert Boyle 1662, air compressed by mercury; Edme Mariotte 1676)
  • Boyle's 1662 table (48 spaces at 29 2/16 in, 12 spaces at 117 9/16 in of mercury) as reprinted in J. Appl. Physiol. 87 (1999) 1543.

Abgerufen: 2026-10-17