Verdunsten und Sieden
In Leadville in Colorado, auf etwa 3100 m Höhe, beträgt der Luftdruck etwa 68 kPa. Wasser siedet dort bei ungefähr 90 °C.
Zum Drehen ziehen. Zum Zoomen scrollen oder zwei Finger auseinander- oder zusammenziehen.
Eine Pfütze trocknet auch an einem kühlen Tag aus, ohne auch nur annähernd 100 °C zu erreichen. Ein Topf Wasser auf dem Herd bleibt dagegen ruhig, bis bei etwa 100 °C Blasen aufsteigen. Beides ist Verdampfen, also der Übergang von flüssig zu gasförmig. Doch die Vorgänge unterscheiden sich. Verdunsten findet nur an der Oberfläche statt und ist bei jeder Temperatur möglich. Beim Sieden entstehen im gesamten Inneren der Flüssigkeit bei einer bestimmten Temperatur Dampfblasen. Diese Temperatur hängt vom Druck über der Flüssigkeit ab.
Verdunstung und Dampfdruck
In jeder Flüssigkeit bewegen sich die Moleküle unterschiedlich schnell. Einige Moleküle an der Oberfläche sind schnell genug, um sich von ihren Nachbarn zu lösen und in die Luft zu entweichen. Das ist Verdunstung. Weil zuerst die schnellsten Moleküle entweichen, sinkt die mittlere Energie der zurückbleibenden Moleküle. Die Flüssigkeit kühlt ab. So wirkt auch Schweiß. Nach einer Schätzung von OpenStax entzieht das Verdunsten von 1.5 L Schweiß in heißem Klima dem Körper etwa 3600 kJ Wärme.
In einer geschlossenen Flasche sammeln sich die entweichenden Moleküle über der Flüssigkeit. Einige gelangen wieder in die Flüssigkeit zurück. Schließlich kehren pro Sekunde genauso viele zurück, wie entweichen. Der Druck des Dampfes in diesem Zustand heißt Dampfdruck der Flüssigkeit. Er hängt vom Stoff und von der Temperatur ab, nicht von der Größe der Flasche. Flüssigkeiten mit schwachen Anziehungskräften zwischen ihren Molekülen haben einen hohen Dampfdruck: Bei 20 °C beträgt er für Methanol 11.9 kPa und für Ethanol 5.95 kPa. Beim Erwärmen haben mehr Moleküle genug Energie zum Entweichen. Der Dampfdruck steigt.
Der Druck über der Flüssigkeit bestimmt das Sieden
Eine Flüssigkeit siedet, wenn ihr Dampfdruck dem Umgebungsdruck entspricht. Dann können sich in ihrem Inneren Dampfblasen bilden, ohne zusammengedrückt zu werden. Der Normalsiedepunkt ist der Siedepunkt bei 1 atm, also 101.3 kPa. Für Wasser liegt er bei 100 °C. Hoch im Gebirge ist der Luftdruck geringer, deshalb siedet Wasser bei niedrigerer Temperatur: In Leadville liegt der Druck bei etwa 68 kPa und der Siedepunkt bei ungefähr 90 °C. Ein Schnellkochtopf bewirkt das Gegenteil. Er hält den Dampf zurück und erhöht den Druck. Dadurch kann Wasser vor dem Sieden heißer als 100 °C werden.
Verdampfen braucht viel Energie, mehr als Schmelzen. Alle Anziehungskräfte zu benachbarten Molekülen müssen überwunden und nicht nur gelockert werden. Die Verdampfungsenthalpie von Wasser beträgt bei 25 °C 44.01 kJ/mol und am Siedepunkt 40.67 kJ/mol. Zum Vergleich: Eis zu schmelzen erfordert 6.01 kJ/mol. Ein Mol Wasser zu verdampfen braucht also fast siebenmal so viel Energie wie ein Mol Eis zu schmelzen. Beim Kondensieren, dem Übergang von gasförmig zu flüssig, wird diese Energie wieder frei. Deshalb sind Verbrühungen durch Dampf schlimmer als durch Wasser derselben Temperatur.
Ohne flüssige Zwischenstufe
Manche Feststoffe werden unmittelbar gasförmig. Das nennt man Sublimation. Trockeneis, also festes Kohlenstoffdioxid, verschwindet bei Raumtemperatur langsam, ohne eine Pfütze zu hinterlassen. Die Daten des NIST erklären, warum: Kohlenstoffdioxid kann nur oberhalb von 5.185 bar flüssig sein, also bei etwa dem Fünffachen des normalen Luftdrucks. Bei 1 atm geht es daher bei etwa −78 °C direkt vom festen in den gasförmigen Zustand über. Seine Sublimationsenthalpie beträgt 26.1 kJ/mol. Der umgekehrte Vorgang, unmittelbar von gasförmig zu fest, heißt Resublimation. So entsteht in einer kalten, klaren Nacht Reif an einer Autoscheibe.
- Was unterscheidet Verdunsten und Sieden?
- Verdunsten findet an der Oberfläche bei jeder Temperatur statt; Sieden in der gesamten Flüssigkeit bei einer bestimmten Temperatur
- Beim Verdunsten entsteht Gas, beim Sieden Flüssigkeit
- Es gibt keinen Unterschied
- Warum kühlt eine Flüssigkeit beim Verdunsten ab?
- Die schnellsten Moleküle entweichen, wodurch die mittlere Energie der übrigen sinkt
- Luft ist immer kälter als Flüssigkeit
- Verdunsten setzt Wärme frei
- Eine Flüssigkeit siedet, wenn ihr Dampfdruck …
- dem Umgebungsdruck entspricht
- null erreicht
- 1 kPa beträgt
- Warum siedet Wasser hoch im Gebirge unterhalb von 100 °C?
- Der Luftdruck ist niedriger
- Das Wasser ist reiner
- Die Sonne ist näher
- Welche Flüssigkeit hat bei 20 °C den höheren Dampfdruck?
- Methanol (11.9 kPa)
- Ethanol (5.95 kPa)
- Beide haben denselben Dampfdruck
- Wie viel Wärme in kJ ist nötig, um 2.00 mol Wasser bei 100 °C vollständig zu verdampfen (40.67 kJ/mol)? Runde auf 2 Nachkommastellen.
- Ein Mol Wasser bei 100 °C zu verdampfen braucht 40.67 kJ; ein Mol Eis zu schmelzen braucht 6.01 kJ. Wie vielmal so viel Energie braucht das Verdampfen (1 Nachkommastelle)?
- Trockeneis verschwindet, ohne zu schmelzen. Das ist …
- Sublimation
- Resublimation
- Kondensation
- Warum ist eine Verbrühung durch Dampf schlimmer als durch Wasser derselben Temperatur?
- Beim Kondensieren auf der Haut gibt Dampf seine Verdampfungswärme ab
- Dampf ist immer heißer als 100 °C
- Dampf ist ein Plasma
- Warum gart ein Schnellkochtopf schneller?
- Der höhere Druck hebt den Siedepunkt über 100 °C an
- Er entfernt die gesamte Luft, sodass Wasser bei 0 °C siedet
- Er benötigt weniger Wasser
- Verdunsten: an der Oberfläche, bei jeder Temperatur, kühlt die Flüssigkeit ab.
- Sieden: Dampfdruck = Außendruck; bei Wasser 100 °C bei 101.3 kPa.
- Wasser: ΔH Verdampfung 40.67 kJ/mol bei 100 °C, etwa das 6.8-Fache der 6.01 kJ/mol zum Schmelzen.
- Sublimation: fest zu gasförmig (Trockeneis). Resublimation: gasförmig zu fest (Reif).
Quellen zu diesem Kurs (8)
- OpenStax Chemistry 2e (openstax.org/books/chemistry-2e): 1.2 Phases and Classification of Matter (matter, three states, plasma, mass and weight, Moon 1/6, conservation of matter, sand and clouds)
- 9.2 gas laws (Boyle's law P1V1 = P2V2, syringe 15.0 mL 13.0 psi to 7.5 mL 26 psi, breathing, divers: every 33 ft of sea water adds 1 atm and halves the air volume at 33 ft, Amontons ~1700, Gay-Lussac ~1800, Charles, STP 273.15 K and 101.325 kPa, -273 °C absolute zero)
- 9.5 kinetic-molecular theory (average kinetic energy proportional to kelvin temperature, KEavg = 3/2 RT, urms = sqrt(3RT/M), N2 at 30 °C 519 m/s, O2 at -23 °C 441 m/s)
- 10.3 phase transitions (vapor pressure, normal boiling point at 1 atm = 101.3 kPa, Leadville 68 kPa about 90 °C, ΔHvap 44.01 kJ/mol at 25 °C and 40.67 kJ/mol at 100 °C, 1.5 L sweat 3600 kJ, ΔHfus 6.01 kJ/mol, ice at -12 °C staying at 0 °C while melting, CO2 sublimation 26.1 kJ/mol, frost is deposition, heating curve example 135 g ice -15 °C to steam 120 °C = 416 kJ with c ice 2.09, water 4.18, steam 1.86 J/g °C, burner turned up does not raise boiling temperature)
- NIST Chemistry WebBook phase change data (webbook.nist.gov: ethanol Tfus 159 K, Tboil 351.5 K; nitrogen Tfus 63.3 K, Tboil 77.34 K; oxygen Tfus 54.8 K, Tboil 90.2 K; mercury Tfus 234.31 K, Tboil 629.81 K; CO2 triple point 216.58 K at 5.185 bar, solid vapour-pressure equation Giauque and Egan 1937 giving 194.7 K at 1 atm)
- USGS Water Science School, Water Density (0.99987 g/cm³ at 0 °C, 1.00000 at 4 °C, 0.95865 at 100 °C; ice about 9% less dense)
- Britannica, Boyle's law (Robert Boyle 1662, air compressed by mercury; Edme Mariotte 1676)
- Boyle's 1662 table (48 spaces at 29 2/16 in, 12 spaces at 117 9/16 in of mercury) as reprinted in J. Appl. Physiol. 87 (1999) 1543.
Abgerufen: 2026-10-17