So funktioniert Fotosynthese
In den 1600er-Jahren zog Jan Baptist van Helmont eine Weide in 200 Pfund getrockneter Erde. Nach fünf Jahren hatte der Baum 164 Pfund zugenommen, während die Erde etwa 2 Unzen verloren hatte.
Woher bekommt ein Baum seine Masse?
Woher stammt das Holz eines Baums? Vermutlich würdest du zuerst auf den Boden tippen. Van Helmont prüfte diese Idee. Er trocknete 200 Pfund Erde im Ofen, pflanzte einen fünf Pfund schweren Weidensteckling hinein und goss ihn fünf Jahre lang nur mit Regenwasser oder destilliertem Wasser. Der Baum wog danach etwa 169 Pfund und 3 Unzen. Die erneut getrocknete Erde wog dagegen noch 200 Pfund abzüglich etwa 2 Unzen. Er schloss daraus, dass Holz, Rinde und Wurzeln allein aus Wasser entstanden waren.
Er hatte nur zum Teil recht. Wasser gelangt tatsächlich in die Pflanze, doch der größte Teil der Trockenmasse eines Baums besteht aus Kohlenstoff, und dieser stammt aus der Luft. Pflanzen, Algen und Cyanobakterien nehmen das energiearme Gas Kohlenstoffdioxid auf und bauen daraus mithilfe von Sonnenenergie energiereiche Zucker auf. In OpenStax Biology werden sie als photoautotroph bezeichnet: Sie stellen ihre Nahrung selbst her und nutzen dafür Licht. Tiere, Pilze und die meisten Bakterien sind heterotroph. Sie leben von Zuckern, die zuvor durch Fotosynthese entstanden sind.
Die Gesamtreaktion schreibt man meist als 6CO₂ + 6H₂O → C₆H₁₂O₆ + 6O₂, mit Licht als Energiequelle. Aus sechs Molekülen Kohlenstoffdioxid und sechs Molekülen Wasser entstehen ein Molekül Glucose und sechs Moleküle Sauerstoff. Das sieht einfach aus, doch tatsächlich läuft der Vorgang in vielen Schritten mit kurzlebigen Zwischenprodukten ab.
- 1600er-Jahre: Van Helmont wiegt über fünf Jahre eine Weide und ihre Erde.
- 1771: Priestley: Ein Minzzweig erneuert die von einer Kerze verbrauchte Luft.
- 1779: Ingenhousz: nur bei Licht und nur die grünen Teile.
- 1782: Nachweis, dass Sauerstoff auf Kosten fixer Luft (Kohlenstoffdioxid) entsteht.
- 1905: Blackman: begrenzende Faktoren.
Im Chloroplasten
Im Blatt findet die Fotosynthese hauptsächlich in der mittleren Gewebeschicht, dem Mesophyll, statt, und zwar in Zellorganellen namens Chloroplasten. Ein Chloroplast besitzt eine äußere und eine innere Membran. Im Inneren liegen flache Scheiben, die Thylakoide. Sie sind zu Stapeln, den Grana, angeordnet und von einer Flüssigkeit, dem Stroma, umgeben. In den Thylakoidmembranen sitzt Chlorophyll. Chlorophyll a absorbiert blaues und rotes Licht an den beiden Enden des sichtbaren Bereichs (400 bis 700 Nanometer) und reflektiert grünes Licht. Deshalb erscheinen Blätter grün.
Zwei Teilprozesse
Die lichtabhängigen Reaktionen laufen in den Thylakoidmembranen ab. Lichtenergie wird von Pigment zu Pigment bis zu einem Reaktionszentrum weitergegeben. Jede Antenne enthält 300 bis 400 Chlorophyllmoleküle. Im Reaktionszentrum löst die Energie ein Elektron heraus. Das fehlende Elektron wird durch die Spaltung von Wasser ersetzt. Dabei entsteht der Sauerstoff. Die Energie wird vorübergehend in zwei Trägermolekülen gespeichert, ATP und NADPH. Etwa 10 Prozent des Sauerstoffs verbrauchen die Mitochondrien des Blatts selbst; der Rest gelangt in die Luft.
Der zweite Teilprozess, der Calvin-Zyklus, läuft im Stroma ab. Das Enzym RuBisCO bindet ein Kohlenstoffdioxidmolekül an den Zucker RuBP, der fünf Kohlenstoffatome enthält. Das Produkt zerfällt in zwei Moleküle mit je drei Kohlenstoffatomen. Mithilfe von ATP und NADPH wird daraus der Zucker G3P. Bei jedem Durchlauf wird nur ein Kohlenstoffatom fixiert. Daher sind drei Durchläufe nötig, um ein G3P abzugeben, und sechs, um genügend Kohlenstoff für eine Glucose bereitzustellen. Der alte Name „Dunkelreaktion“ ist irreführend: Er legt nahe, dass der Zyklus nur nachts oder ohne Licht abläuft. Tatsächlich braucht er ATP und NADPH aus den Lichtreaktionen.
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- Pflanzen, Algen und Cyanobakterien bauen mithilfe von Licht aus CO₂ und Wasser Zucker auf.
- 6CO₂ + 6H₂O → C₆H₁₂O₆ + 6O₂.
- Lichtabhängige Reaktionen: Thylakoidmembranen, Wasserspaltung, O₂-Abgabe, Bildung von ATP und NADPH.
- Calvin-Zyklus: Stroma, RuBisCO fixiert CO₂, drei Durchläufe pro G3P, sechs pro Glucose.
| Photoautotropher Organismus | Ein Organismus, der seine Nahrung mithilfe von Licht selbst herstellt. |
| Chloroplast | Die Zellorganelle, in der die Fotosynthese stattfindet. |
| Thylakoid | Flache Membranscheibe mit Chlorophyll; die Stapel heißen Grana. |
| Stroma | Die Flüssigkeit um die Grana; hier läuft der Calvin-Zyklus ab. |
| RuBisCO | Das Enzym, das CO₂ an RuBP bindet. |
| G3P | Zucker mit drei Kohlenstoffatomen, der im Calvin-Zyklus entsteht. |
- Woher stammt der größte Teil der Trockenmasse eines Baums?
- Aus Kohlenstoffdioxid aus der Luft
- Aus Mineralstoffen aus dem Boden
- Aus dem Sonnenlicht selbst
- Aus Sauerstoff aus der Luft
- Van Helmonts Weide nahm von 5 Pfund auf etwa 169 Pfund zu. Wie viele Pfund gewann sie hinzu (ohne die 3 Unzen)?
- Die Erde verlor etwa 2 Unzen (1 Pfund = 16 Unzen). Wie oft passt dieser Verlust in die Gewichtszunahme des Baums von 164 Pfund?
- Welches Gas lieferte Priestleys Minzzweig nach, sodass wieder eine Kerze brennen konnte?
- Sauerstoff
- Kohlenstoffdioxid
- Stickstoff
- Wasserdampf
- Was ergänzte Ingenhousz 1779?
- Pflanzen erneuern die Luft nur bei Licht und nur mit grünen Teilen
- Pflanzen nehmen Kohlenstoffdioxid auf
- Bei der Fotosynthese wird Wasser gespalten
- Den Calvin-Zyklus
- Wo finden die lichtabhängigen Reaktionen statt?
- In den Thylakoidmembranen
- Stroma
- In der Zellwand
- Im Zellkern
- Aus welchem Molekül stammt der Sauerstoff, den eine Pflanze abgibt?
- Wasser
- Kohlenstoffdioxid
- Glucose
- ATP
- Wie viele Durchläufe des Calvin-Zyklus liefern den Kohlenstoff für ein Glucosemolekül?
- Warum sehen Blätter grün aus?
- Chlorophyll absorbiert blaues und rotes Licht und reflektiert grünes
- Chlorophyll absorbiert grünes Licht
- Blätter geben grünes Licht ab
- Carotinoide absorbieren rotes Licht
- Warum gilt „Dunkelreaktion“ heute als ungeeigneter Name für den Calvin-Zyklus?
- Er braucht ATP und NADPH aus den Lichtreaktionen und läuft daher nicht unabhängig vom Licht ab
- Er findet nur nachts statt
- Er erzeugt Licht
- Er findet außerhalb des Chloroplasten statt
Quellen zu diesem Kurs (16)
- -fix5: gravity calculation corrected using rho*g*h = 1000*9.8*h Pa
- the cited textbook has a tenfold coefficient error. Sources (checked 2026-10-17): OpenStax Biology 2e 8.1 Overview of Photosynthesis (photoautotrophs, mesophyll, stomata on the underside, guard cells, chloroplast, thylakoid, granum, stroma, two stages; openstax.org/books/biology-2e/pages/8-1-overview-of-photosynthesis)
- 8.2 The Light-Dependent Reactions (400 to 700 nm, chlorophyll a absorbs blue and red, carotenoids, 300 to 400 chlorophylls per antenna, water split at PSII, about 10 percent of the oxygen used by the leaf's mitochondria; .../8-2-the-light-dependent-reactions-of-photosynthesis)
- 8.3 Using Light Energy to Make Organic Molecules (RuBisCO, 3-PGA, G3P, three turns per G3P and six per glucose, "dark reaction" outdated, cacti fix CO2 at night; .../8-3-using-light-energy-to-make-organic-molecules)
- 30.3 Roots (tap and fibrous roots, root cap, three zones in the first centimetre, root hairs, endodermis and Casparian strip; .../30-3-roots)
- 30.4 Leaves (lamina, petiole, midrib, parallel and reticulate venation, Ginkgo, cuticle, trichomes, palisade in one to three layers, spongy mesophyll, guard cells the only epidermal cells with chloroplasts, xylem and phloem, needles and spines; .../30-4-leaves)
- 30.5 Transport of Water and Solutes (redwoods near 116 m, turgor 0.6 to 0.8 MPa and up to 1.5 MPa = 210 psi vs tyres 30 to 34 psi, gravity -0.1 MPa per metre, -2 MPa at the leaf surface, cohesion-tension, up to 90 percent of the water lost, sources and sinks, phloem sap up to 30 percent sugar; .../30-5-transport-of-water-and-solutes-in-plants)
- 31.3 Nutritional Adaptations (rhizobia, nodules, nitrogenase, biological fixation 65 percent of nitrogen used in agriculture, mycorrhizae in more than 80 percent of land plants, up to 20 percent of the carbon; .../31-3-nutritional-adaptations-of-plants)
- 32.2 Pollination and Fertilization (self and cross pollination, bees cannot see red, nectar guides, bats, birds, wind, water, at least 25,000 orchid species, double fertilization 2n zygote and 3n endosperm, seed parts, scutellum, fruit types, dispersal, dormancy; .../32-2-pollination-and-fertilization)
- Britannica, Photosynthesis: history (Priestley 1771, Ingenhousz 1779, 1782: oxygen formed at the expense of fixed air, identified the year before as carbon dioxide) (britannica.com/science/photosynthesis/History-of-the-study-of-photosynthesis)
- Smithsonian Libraries, Ingenhousz, Experiments upon Vegetables, 1779 (library.si.edu/digital-library/book/experimentsuponv00inge)
- van Helmont's account (200 pounds of earth, 5 pound willow, 169 pounds and about 3 ounces after five years, soil short by about 2 ounces)
- quoted from Howe 1965 by S. G. Saupe, College of St. Benedict and St. John's University (employees.csbsju.edu/ssaupe/biol115/van_helmont.htm)
- F. F. Blackman, Optima and Limiting Factors, Annals of Botany 19:281-296, April 1905 (doi.org/10.1093/oxfordjournals.aob.a089000)
- NOAA Global Monitoring Laboratory, Trends in CO2 (gml.noaa.gov/ccgg/trends/: Mauna Loa September 2026 monthly mean 426.07 ppm)
- NOAA Climate.gov, Climate change: atmospheric carbon dioxide (280 ppm or less before the Industrial Revolution of the mid-1700s, from ice cores; climate.gov/news-features/understanding-climate/climate-change-atmospheric-carbon-dioxide).
Abgerufen: 2026-10-17