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Farben, Prismen und Regenbogen

Kronglas bricht violettes Licht mit 410 nm etwas stärker als rotes mit 660 nm, denn sein Brechungsindex beträgt 1.530 für Violett und 1.512 für Rot.

Weißes Licht ist eine Mischung

Mitte der 1660er-Jahre ließ Isaac Newton durch ein Loch im Fensterladen einen schmalen Sonnenstrahl in ein abgedunkeltes Zimmer fallen und schickte ihn durch ein Glasprisma. An der gegenüberliegenden Wand erschien ein Farbband. In einer 1672 veröffentlichten Arbeit erklärte er, dass das Prisma die Farben nicht hinzufügt: Weißes Licht ist eine Mischung dieser Farben. Das Prisma trennt sie, weil jede Farbe etwas anders gebrochen wird. Ein Kommentar von 2015 in der Zeitschrift Philosophical Transactions der Royal Society bezeichnet diese Arbeit als Grundlage der modernen Optik. Newton zeigte außerdem: Wird eine einzelne Farbe aus dem Band ausgewählt und durch ein zweites Prisma geschickt, bleibt ihre Farbe gleich.

OpenStax erklärt den Grund. Der Brechungsindex eines Stoffes hängt etwas von der Wellenlänge ab: Er steigt bei abnehmender Wellenlänge und ist für Violett am größten. Deshalb wird violettes Licht stärker gebrochen als rotes. Weißes Licht fächert sich in der bekannten Reihenfolge von Rot bis Violett auf. Diese Zerlegung weißen Lichts in sein Spektrum heißt Dispersion. Allgemeiner spricht man von Dispersion, wenn ein Vorgang die Lichtrichtung je nach Wellenlänge unterschiedlich stark ändert.

Weißes Licht wird im Prisma zweimal gebrochen, an jeder Grenzfläche einmal. Violett wird am stärksten, Rot am schwächsten abgelenkt (Aufspreizung übertrieben).
FarbeWasserKronglasDiamant
Rot 660 nm1.3311.5122.410
Orange 610 nm1.3321.5142.415
Gelb 580 nm1.3331.5182.417
Grün 550 nm1.3351.5192.426
Blau 470 nm1.3381.5242.444
Violett 410 nm1.3421.5302.458
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Weißes Licht tritt in Kronglas ein. Jede Farbe wird mit ihrem eigenen Brechungsindex aus OpenStax-Tabelle 25.2 gebrochen. Die Aufspreizung ist klein. Probiere Flintglas oder Diamant aus, bei denen die Dispersion stärker ist.

Farben und Wellenlängen

Meist nennen wir etwa sechs Regenbogenfarben: Rot, Orange, Gelb, Grün, Blau und Violett, manchmal auch Indigo. OpenStax betont, dass das Spektrum kontinuierlich ist. Die Namen bezeichnen Wellenlängenbereiche von etwa 700 nm bei Rot bis etwa 400 nm bei Violett. Empfängt das Auge Licht einer einzigen Wellenlänge, sehen wir gewöhnlich eine dieser Farben. Die vielen anderen wahrnehmbaren Farbtöne entstehen durch die Reaktion des Auges auf Mischungen. Sonnenlicht enthält alle sichtbaren Wellenlängen und erscheint weiß oder ganz leicht gelblich.

Gegenstände erhalten ihre Farbe durch das Licht, das sie zu uns zurückschicken. Ein Blatt erscheint im Sonnenlicht grün, weil es mehr grünes Licht als andere Farben reflektiert und einen großen Teil des übrigen Lichts absorbiert. Bei Beleuchtung ohne Grün erscheint dasselbe Blatt dunkel. Ein Filter wirkt ähnlich auf das hindurchtretende Licht: Ein roter Filter lässt Rot durch und absorbiert die meisten anderen Farben.

Regenbogen

Ein Regenbogen entsteht durch Dispersion in Wassertropfen. OpenStax beschreibt den Lichtweg: Das Licht tritt in einen Tropfen ein, wird an dessen Rückseite reflektiert und tritt wieder aus. Beim Eintritt und Austritt wird es gebrochen. Da der Brechungsindex des Wassers von der Wellenlänge abhängt, treten die Farben unter leicht verschiedenen Winkeln aus. Du siehst einen Regenbogen nur, wenn die Sonne hinter dir steht. Jede Farbe erreicht dein Auge aus Tropfen unter ihrem eigenen Winkel zur Sonnenlichtrichtung. Deshalb ist der Regenbogen ein Bogen. Zwei Reflexionen im Tropfen erzeugen einen schwächeren Nebenregenbogen oberhalb des ersten. Um 1300 untersuchte Kamal al-Din al-Farisi in Persien dies laut OpenStax mit einem großen wassergefüllten Glasgefäß in einer Camera obscura als Ersatz für einen riesigen Regentropfen. Theodor von Freiberg führte in Deutschland ähnliche Versuche durch. Beide bauten auf den Arbeiten Ibn al-Haythams auf.

HintergrundDispersion ist nicht immer erwünscht. OpenStax weist darauf hin, dass sich weißes Licht in einer Glasfaser zeitlich auseinanderziehen würde. Seine Farben kämen zu leicht verschiedenen Zeitpunkten an und würden aufeinanderfolgende Nachrichten verwischen. Laser erzeugen nahezu eine einzige Wellenlänge. Ihr Licht zeigt daher wenig Dispersion, ein Grund für den Einsatz von Laserlicht in Glasfasernetzen. Astronomen nutzen den Effekt umgekehrt: Die Dispersion von Radiowellen aus dem All verrät, wie viel Materie sie unterwegs durchquert haben.
  1. Welche Farbe wird von einem Glasprisma am stärksten gebrochen?
    • Violett
    • Rot
    • Grün
    • Alle Farben gleich stark
  2. Weißes Licht tritt unter 45° aus Luft in Kronglas ein. Für Rot gilt n = 1.512, für Violett n = 1.530. Um wie viele Grad unterscheiden sich die beiden gebrochenen Strahlen? Runde auf zwei Nachkommastellen.
  3. Was bewegt sich in Kronglas schneller?
    • Rotes Licht
    • Violettes Licht
    • Beide bewegen sich gleich schnell
    • Keines von beiden bewegt sich im Glas
  4. Wo muss die Sonne stehen, damit du einen Regenbogen siehst?
    • Hinter dir
    • Vor dir
    • Direkt über dir
    • Vor dir unter dem Horizont
  5. Wie entsteht der schwächere Nebenregenbogen?
    • Durch zwei Reflexionen in den Tropfen
    • Durch Licht, das zwei Wolken durchquert
    • Durch Mondlicht
    • Durch Beugung um die Tropfen
  6. In welchem Jahr erschien Newtons Arbeit über Licht und Farben?
    • 1672
    • 1801
    • 1543
    • 1905
  7. Ein Blatt erscheint im Sonnenlicht grün, weil es …
    • Mehr grünes Licht reflektiert und einen Großteil des übrigen Lichts absorbiert
    • Grünes Licht aussendet
    • Grünes Licht absorbiert
    • Grünes Licht stärker bricht als andere Farben
  8. Welchen Brechungsindex hat Wasser für rotes Licht mit 660 nm laut OpenStax-Tabelle 25.2?
  9. Warum verwenden Glasfasernetze lieber Laserlicht als weißes Licht?
    • Laserlicht hat nahezu nur eine Wellenlänge und zeigt deshalb sehr wenig Dispersion
    • Laser sind langsamer
    • Weißes Licht kann nicht in Glas eintreten
    • Laserlicht wird nicht reflektiert
Das Wichtigste
  • Weißes Licht ist eine Mischung von Farben (Newton, Arbeit von 1672).
  • n steigt bei abnehmender Wellenlänge. Deshalb wird Violett stärker gebrochen als Rot: Dispersion.
  • Farbnamen bezeichnen Bereiche eines kontinuierlichen Spektrums von etwa 400 bis 700 nm.
  • Regenbogen: Brechung, eine Reflexion und erneute Brechung in Tropfen, die Sonne hinter dir; zwei Reflexionen erzeugen den Nebenregenbogen.
Quellen zu diesem Kurs (16)
  • OpenStax College Physics 2e (openstax.org/books/college-physics-2e): 25.2 The Law of Reflection (θr = θi, diffuse vs mirror reflection, image as far behind the mirror)
  • 25.3 The Law of Refraction (Roemer 1676 data -> 2.26 × 10⁸ m/s, about 25% low; Michelson rotating mirrors with a fixed mirror 35 km away, 0.04%; c = 2.99792458 × 10⁸ m/s; n = c/v; Table 25.1 air 1.000293, water 1.333, ice 1.309, crown glass 1.52, flint 1.66, polystyrene 1.49, zircon 1.923, diamond 2.419; Snell's law; 30.0° -> 22.0° gives 1.33; air to diamond 30.0° -> 11.9°; zircon 1.56 × 10⁸ m/s; Ibn Sahl 984; Snell 1580 to 1626; lawn-mower analogy)
  • 25.4 Total Internal Reflection (mirror more than 90%; θc = sin⁻¹(n2/n1); polystyrene 42.2°, water 48.6°, diamond 24.4°; fibre optics, cladding; corner reflectors on bicycles and on the Moon; binoculars)
  • 25.5 Dispersion (Kamal al-Din al-Farisi 1267 to 1319, camera obscura and a water-filled glass vessel; Theodoric of Freiberg; Ibn al-Haytham; about six rainbow colours; Table 25.2 n at 660/610/580/550/470/410 nm; violet bent most; rainbow seen looking away from the Sun; secondary rainbow from two reflections; lasers disperse little)
  • 25.6 Image Formation by Lenses (ray tracing rules, P = 1/f in diopters, 1/do + 1/di = 1/f, m = −di/do, 0.750 m object and f = 0.500 m -> 1.50 m and m = −2.00, magnifier do 7.50 cm -> di −30.0 cm and m = 4.00, Table 25.3 three cases)
  • 26.1 Physics of the Eye (cornea and lens act as one thin lens, most bending at the cornea, cornea n 1.38, lens-to-retina 2.00 cm, near point 25 cm, power 50.0 D to 54.0 D, hair 1.20 × 10⁻² cm at 60.0 cm)
  • 27.3 (Young 1801)
  • NASA science.nasa.gov/eclipses/geometry (umbra, penumbra; typical umbral path may be less than 50 miles wide, penumbra a thousand miles or more) and nasa.gov image article Diagram of Umbra and Penumbra (umbra shrinks, penumbra grows away from the Sun)
  • NASA Visible Light page (Newton 1665 prism experiment, 380 to 700 nm)
  • Royal Society, Fara 2015 commentary on Newton (1672) New Theory about Light and Colours (royalsocietypublishing.org/rsta/article/373/2039/20140213)
  • NIST Meter page (Evenson group 299 792 456.2 ± 1.1 m/s; 1983 definition fixes c = 299 792 458 m/s) and NIST J. Res. 1972 measurement (tf.nist.gov/general/pdf/527.pdf)
  • APS News July 2010, Fizeau (Galileo lanterns; Roemer 1676; Fizeau 1849, 313 300 km/s, about 5% high)
  • Wikipedia Fizeau's measurement (8633 m, 720 notches, 25.2 turns per second -> 313 274 304 m/s, 4.5% high) and Speed of light (Galileo proposal 1638; Foucault 1862 298 000 ± 500 km/s, −0.60%; Michelson 1926 299 796 ± 4 km/s)
  • Baez and DESY "How is the speed of light measured?" (same table)
  • NASA Moon Fact Sheet (mean distance 384 400 km)
  • IAU 2012 astronomical unit 149 597 870 700 m.

Abgerufen: 2026-10-17