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Wie die Sinne erforscht wurden

1851 veröffentlichte Hermann von Helmholtz eine Methode, durch die Pupille auf die lebende Netzhaut zu blicken. Das hatte vorher niemand gekonnt.

Eine Stelle, an der man nichts sieht

HintergrundIn den 1660er-Jahren experimentierte Edme Mariotte, ein französischer Priester und Gründungsmitglied der Pariser Akademie der Wissenschaften, mit Licht und dem Auge. Er zeigte, dass jedes Auge in seinem Blickfeld eine Stelle hat, an der ein Gegenstand einfach verschwindet, und brachte sie mit der Stelle in Verbindung, an der der Sehnerv in den Augapfel eintritt. Der blinde Fleck heißt manchmal noch heute Mariotte-Fleck. Seine Beobachtungen lösten unter den Gelehrten seiner Zeit eine lebhafte Debatte aus, denn es war schwer zu akzeptieren, dass jeder Mensch eine Lücke im Sehen hat, die niemand bemerkt. Auch Newton kannte seine Arbeit.

Ein Blick ins Auge

Die längste Zeit der Geschichte konnte niemand den hinteren Teil eines lebenden Auges betrachten. Hermann von Helmholtz, ein deutscher Arzt und Physiker, löste das Problem mit einem Instrument, das er 1851 vorstellte und veröffentlichte: dem Augenspiegel (Ophthalmoskop). Er beleuchtete das Innere des Auges, sodass der Untersuchende das von der Netzhaut zurückkommende Licht sehen konnte. Innerhalb weniger Jahre beschrieben Ärzte Netzhauterkrankungen, die noch niemand bei einem lebenden Patienten gesehen hatte.

Das Licht im Auge wird von mehreren Schichten gebrochen, und die Linse verändert ihre Form. Deshalb ist der Weg des Lichts sehr schwer zu berechnen. Allvar Gullstrand, ein schwedischer Augenarzt, löste diese Aufgabe in etwa zwanzig Jahren Arbeit, die mit seiner Dissertation von 1890 begann. Er erhielt 1911 den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin für seine Arbeiten über die Dioptrik des Auges, also darüber, wie das Auge Licht bricht.

Ein neuer Geschmack und das Innenohr

1908 wollte Kikunae Ikeda, Chemieprofessor in Tokio, den Geschmack von Dashi erklären, einer Brühe aus Seetang (Kombu). Er bestimmte als entscheidende Verbindung ein Salz der Glutaminsäure und nannte dessen Geschmack umami. OpenStax merkt an, dass umami erst Mitte der 1980er-Jahre als fünfte Grundgeschmacksrichtung anerkannt wurde, nachdem die Forschung gezeigt hatte, wie es wahrgenommen wird.

Georg von Békésy, ein in Ungarn geborener Physiker, erforschte die Hörschnecke und erhielt 1961 den Nobelpreis für die Entdeckung des physikalischen Mechanismus der Reizung in ihrem Inneren. Seine Versuche beschrieben, wie Schall eine Wanderwelle entlang der Basilarmembran auslöst, das Bild, das du aus der Lektion über die Ohren kennst.

Moleküle für jeden Sinn

Der Nobelpreis hat die Erforschung der Sinne eng begleitet. 1967 teilten sich Ragnar Granit, Haldan Hartline und George Wald den Preis für Arbeiten zur Chemie und Physiologie des Sehens, und 1981 wurden David Hubel und Torsten Wiesel für ihre Erkenntnisse darüber geehrt, wie das Gehirn visuelle Informationen verarbeitet. Das Riechen gehörte zu den letzten Sinnen, die erklärt wurden. 1991 veröffentlichten Richard Axel und Linda Buck die Entdeckung einer großen Familie von Genen für Geruchsrezeptoren, und 2004 erhielten sie den Preis. Temperatur und Berührung kamen noch später: David Julius identifizierte 1997 den Capsaicinrezeptor TRPV1, Ardem Patapoutian identifizierte 2010 die Piezo-Kanäle, und 2021 teilten sie sich den Preis.

Die Nobel-Zusammenfassung von 2021 beginnt mit einer viel älteren Idee. Im 17. Jahrhundert stellte sich René Descartes Fäden vor, die von der Haut zum Gehirn laufen, sodass ein Fuß nahe einer Flamme an einem Faden zieht. Die Fäden erwiesen sich als Nerven, und das Ziehen als Ionenkanäle, die sich in der Membran einer Nervenendigung öffnen. Viele der Schritte zwischen diesen beiden Vorstellungen findest du in der Zeitleiste unten.

  • 1660er-Jahre: Mariotte beschreibt den blinden Fleck.
  • 1834: Addams beschreibt die Wasserfalltäuschung.
  • 1851: Helmholtz veröffentlicht den Augenspiegel.
  • 1889: Müller-Lyer veröffentlicht seine Linientäuschung.
  • 1908: Ikeda benennt umami.
  • 1911: Gullstrand: Nobelpreis für die Dioptrik des Auges.
  • 1961: Békésy: Nobelpreis für die Hörschnecke.
  • 1976: McGurk und MacDonald: „Hearing lips and seeing voices“.
  • 1991: Axel und Buck finden die Gene für Geruchsrezeptoren (Nobelpreis 2004).
  • 1997: Julius identifiziert TRPV1, den Capsaicinrezeptor.
  • 2010: Patapoutian identifiziert Piezo1 und Piezo2 (Nobelpreis 2021).
  1. Wem wird die Entdeckung des blinden Flecks zugeschrieben?
    • Edme Mariotte
    • Hermann von Helmholtz
    • Kikunae Ikeda
    • Linda Buck
  2. Was machte der Augenspiegel möglich?
    • Die Netzhaut eines lebenden Auges zu sehen
    • Das Hörvermögen zu messen
    • Geschmacksknospen zu zählen
    • Hirnströme aufzuzeichnen
  3. In welchem Jahr bestimmte Ikeda umami?
  4. Gullstrands Nobelpreis galt Arbeiten darüber, ...
    • wie das Auge Licht bricht
    • wie Geschmacksknospen wachsen
    • wie das Ohr tiefe Töne hört
    • wie Schmerz entsteht
  5. Welchen Sinn erklärten Axel und Buck?
    • Riechen
    • Hören
    • Tasten
    • Sehen
  6. Wie viele Jahre lagen zwischen dem Artikel von Axel und Buck (1991) und ihrem Nobelpreis (2004)?
  7. Wie viele Jahre lagen zwischen Ikedas Benennung von umami (1908) und der Anerkennung als Grundgeschmack Mitte der 1980er-Jahre? Nimm 1985.
  8. Bring diese Entdeckungen in die zeitliche Reihenfolge.
  9. Was verband nach Descartes’ Vorstellung die Haut mit dem Gehirn?
    • Fäden
    • Luftröhren
    • Lichtstrahlen
    • Blutströme
  10. Wer teilte sich 1981 den Nobelpreis für Arbeiten zur Verarbeitung visueller Informationen?
    • David Hubel und Torsten Wiesel
    • Axel und Buck
    • Julius und Patapoutian
    • McGurk und MacDonald
Das Wichtigste
  • 1660er-Jahre: Mariotte findet den blinden Fleck. 1851: Helmholtz’ Augenspiegel.
  • 1908: Ikeda benennt umami; als Grundgeschmack anerkannt Mitte der 1980er-Jahre.
  • Nobelpreise: Gullstrand 1911 (Optik des Auges), Békésy 1961 (Hörschnecke), Hubel und Wiesel 1981 (Sehen).
  • Axel und Buck: Geruchsrezeptoren (1991, Nobelpreis 2004).
  • Julius und Patapoutian: TRPV1, TRPM8 und Piezo-Kanäle (Nobelpreis 2021).

Dies ist Lernmaterial darüber, wie der Körper aufgebaut ist und funktioniert. Es ist keine medizinische Beratung und dient nicht dazu, Krankheiten zu diagnostizieren oder zu behandeln.

Quellen zu diesem Kurs (15)
  • OpenStax Anatomy and Physiology 2e, 14.1 Sensory Perception (receptors, taste, smell, hearing, balance, vision, somatosensation; openstax.org/books/anatomy-and-physiology-2e/pages/14-1-sensory-perception)
  • NIH National Eye Institute "How the eyes work", "Nearsightedness (myopia)", "Farsightedness (hyperopia)", "Presbyopia" (nei.nih.gov)
  • NIH NIDCD "How do we hear?", "Balance disorders", "Smell disorders", "Taste disorders" (nidcd.nih.gov)
  • NobelPrize.org press releases 2004 (Axel and Buck, odorant receptors) and 2021 (Julius and Patapoutian, temperature and touch)
  • facts pages 1911 (Gullstrand)
  • 1961 (Békésy)
  • JAMA Ophthalmology 1999 "Gullstrand, Einstein, and the Nobel Prize" (1967 and 1981 vision prizes)
  • PubMed 17574069 (Mariotte and the blind spot)
  • PubMed 30295065 (Helmholtz ophthalmoscope, 1851)
  • PubMed 19640953 (Ikeda, umami, 1908)
  • McGurk and MacDonald, Nature 264, 746 (1976)
  • Addams 1834 waterfall illusion (Illusions Index; PMC5016818)
  • Müller-Lyer 1889 (Wiley Encyclopedia of Cross-Cultural Psychology)
  • blind spot filling-in: American Academy of Ophthalmology "Blind Spot" (aao.org) and Li et al. 2014 (PMC4103407)
  • motion aftereffect as adaptation: Bach, Visual Phenomena (michaelbach.de/ot/mot-adapt)

Abgerufen: 2026-10-17