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Pandora und das Gefäß

Bei Hesiod öffnet Pandora einen großen Vorratskrug, keine Büchse; die Büchse kam 1508 mit einer lateinischen Nacherzählung von Erasmus.

Der Preis des Feuers

Nachdem Prometheus das Feuer gestohlen hatte, lachte Zeus und sagte, er werde den Menschen im Tausch ein Übel geben, etwas, das sie lieben und willkommen heißen würden, obwohl es ihnen schadet. Das ist Hesiods Geschichte von der ersten Frau. Sie kommt zweimal vor: in der Theogonie, wo sie nicht beim Namen genannt wird, und im Gedicht Werke und Tage, wo sie Pandora heißt. Beide Gedichte behandeln sie als Strafe, und heutige Leserinnen und Leser bemerken, wie hart Hesiod über Frauen spricht. Es hilft, den Mythos als das zu lesen, was er ist: die Sicht eines einzelnen Dichters, eines Bauern in Böotien um 700 v. Chr., der erklärt, warum das Leben schwer ist.

Von den Göttern gemacht

Im Gedicht Werke und Tage befiehlt Zeus Hephaistos, Erde mit Wasser zu mischen, ihr menschliche Stimme und Kraft zu geben und sie zu einer schönen jungen Frau mit dem Gesicht einer Göttin zu formen. Athene lehrt sie das Weben. Aphrodite gießt Anmut und Sehnsucht über ihr Haupt. Hermes, der Führer der Reisenden und Diebe, gibt ihr einen „hündischen Sinn und diebische Art“ und die Gabe der Rede, voller Lügen. Die Chariten und Peitho hängen ihr goldene Ketten um, und die Horen bekränzen sie mit Frühlingsblumen. Hermes nennt sie Pandora, erklärt das Gedicht, weil alle Götter auf dem Olymp ihr ein Geschenk gegeben hatten. Pan bedeutet „alle“ und doron „Geschenk“.

HintergrundPrometheus hatte seinen Bruder Epimetheus gewarnt, niemals ein Geschenk von Zeus anzunehmen, sondern es zurückzuschicken. Als Hermes Pandora zu ihm brachte, vergaß Epimetheus die Warnung und nahm sie auf. Erst als der Schaden geschehen war, verstand er. Bis dahin, sagt Hesiod, hatten die Menschen auf der Erde frei von Übeln, harter Arbeit und Krankheit gelebt. Doch die Frau hob mit ihren Händen den großen Deckel des Kruges und streute seinen Inhalt aus, und grimmige Plagen verbreiteten sich unter den Menschen. Nur die Hoffnung blieb drinnen, unter dem Rand, weil Pandora den Deckel zuerst wieder aufsetzte, nach dem Willen des Zeus. Nun sind Land und Meer voller Übel, und Krankheiten kommen bei Tag und bei Nacht, lautlos, weil Zeus ihnen die Stimme nahm.

Ein Krug, keine Büchse

Hesiods Wort ist pithos, ein großer Vorratskrug aus Ton, wie ihn griechische Haushalte für Getreide, Öl oder Wein benutzten. Die berühmte Wendung „Büchse der Pandora“ geht auf einen Fehler zurück. Als der niederländische Gelehrte Erasmus von Rotterdam den Mythos 1508 in seiner Sprichwörtersammlung, den Adagia, auf Latein nacherzählte, benutzte er das Wort pyxis, eine kleine Büchse mit Deckel. Die Büchse setzte sich durch, und Maler und Schriftsteller übernahmen sie jahrhundertelang. Manche Fachleute weisen auch auf eine deutliche Parallele im Original hin: Pandora selbst wurde aus Erde und Wasser geformt, wie der Tonkrug, den sie öffnet.

A: ein pithos, der große Vorratskrug in Hesiods Griechisch. B: eine pyxis, die kleine Büchse mit Deckel in der lateinischen Nacherzählung von Erasmus. Die Formen sind vereinfacht und nicht maßstabsgetreu.

Warum bleibt die Hoffnung drinnen?

Das Ende verwirrt die Leser seit der Antike. Das griechische Wort ist elpis, das Hoffnung bedeuten kann, aber auch Erwartung, einschließlich der Erwartung schlimmer Dinge. Wenn der Krug Übel enthielt, ist die Hoffnung dann ein weiteres Übel, das uns vorenthalten wird? Oder ist sie ein Trost, der bei den Menschen bleibt, während die Übel frei umherziehen? Der Altphilologe Timothy Gantz meinte, elpis könne hier ein realistisches Gespür dafür bedeuten, wie schlimm es werden wird, sodass das Zurückhalten von elpis im Krug den Menschen erspart, das volle Ausmaß ihrer Leiden zu kennen. Hesiod erklärt es nicht, und es gibt keine allgemein anerkannte Antwort.

Eine weitere Frage ist, wem der Krug gehörte. Hesiod sagt nie, dass Pandora ihn vom Olymp mitbrachte, und manche Fachleute meinen, er habe schon im Haus des Epimetheus gestanden. Gleich nach der Pandora-Geschichte bietet das Gedicht Werke und Tage eine zweite Erklärung dafür, warum das Leben schwer ist: die fünf Zeitalter der Menschen. Zuerst kam ein goldenes Geschlecht, das wie die Götter lebte, dann ein schwächeres silbernes, ein gewalttätiges bronzenes, das Geschlecht der Heroen, die bei Theben und Troja kämpften, und schließlich unser eigenes eisernes, das jeden Tag arbeitet und leidet.

  • ca. 700 v. Chr.: Hesiod: die erste Frau und der Krug
  • 1508 n. Chr.: Erasmus schreibt in den Adagia pyxis (Büchse)
  • 19. Jh.: Maler zeigen Pandora mit einer Büchse
Pandora„Alle Gaben“; die erste Frau im Gedicht Werke und Tage
PithosGroßer Vorratskrug aus Ton; Hesiods Wort
PyxisKleine Büchse mit Deckel; Erasmus’ Wort (1508)
ElpisHoffnung oder Erwartung; blieb im Krug
EpimetheusNahm Pandora trotz der Warnung auf
HephaistosFormte Pandora aus Erde und Wasser
Fünf ZeitalterGolden, silbern, bronzen, Heroen, eisern
  1. Was bedeutet der Name Pandora?
    • Alle Gaben
    • Erste Frau
    • Tonjungfrau
  2. In welchem Gedicht wird die erste Frau nicht beim Namen genannt?
    • Theogonie
    • Werke und Tage
    • Ilias
  3. Welcher Gott formte sie aus Erde und Wasser?
    • Hephaistos
    • Apollon
    • Poseidon
  4. Wer gab ihr einen „hündischen Sinn und diebische Art“?
    • Athene
    • Hermes
    • Aphrodite
  5. Was für ein Gefäß beschreibt Hesiod?
    • Einen großen Vorratskrug (pithos)
    • Eine kleine Büchse (pyxis)
    • Ein Lederbeutel
  6. Welcher Gelehrte machte 1508 aus dem Krug eine Büchse?
  7. Was blieb im Krug?
    • Die Hoffnung (elpis)
    • Das Feuer
    • Der Tod
  8. Wer missachtete die Warnung des Prometheus, keine Geschenke von Zeus anzunehmen?
    • Epimetheus
    • Atlas
    • Hermes
  9. Hesiods Gedicht stammt von etwa 700 v. Chr., und Erasmus schrieb 1508 n. Chr. Wie viele Jahre blieb „der Krug“ etwa bestehen, bevor er zur „Büchse“ wurde?
  10. Bringe Hesiods fünf Zeitalter in die richtige Reihenfolge, das früheste zuerst.
Das Wichtigste
  • Pandora ist die Strafe des Zeus für den Diebstahl des Feuers.
  • Ihr Name bedeutet „alle Gaben“.
  • Hesiods Gefäß ist ein pithos, ein großer Krug.
  • „Büchse“ stammt aus dem Latein von Erasmus (1508).
  • Die Bedeutung der Hoffnung, die im Krug blieb, ist bis heute umstritten.
Quellen: Hesiod, Werke und Tage 42-105 (Übersetzung von B. MacLennan, Diotima) und 106-201; Theogonie 570-612; T. Gantz, Early Greek Myth (1993) S. 157; Theoi Project, „Pandora“; übliche Darstellungen von Erasmus, Adagia (1508), zu pithos und pyxis.
Quellen zu diesem Kurs (15)
  • Theoi Project, "Olympian Gods" (theoi.com/greek-mythology/olympian-gods.html)
  • Hesiod, Theogony and Works and Days (Evelyn-White translation, Perseus/Theoi; Diotima translation of Works and Days 53-105 by B. MacLennan, diotima-doctafemina.org; Purdue excerpt of Theogony 535-616)
  • Homer, Iliad and Odyssey
  • Apollodorus, Library 2.5
  • Ovid, Metamorphoses 3 (A. S. Kline, ovid.lib.virginia.edu)
  • Britannica, "Homer" (dating the works, stabilizing the text; Hesiod not long after 700 BCE; earliest alphabetic inscriptions c. 730 BCE) and "Odysseus"
  • The Met, Heilbrunn Timeline essay "The Labors of Herakles" (C. Hemingway, 2008, metmuseum.org/essays/the-labors-of-herakles)
  • University of Oxford, Classical Art Research Centre, "Metopes of the Temple of Zeus at Olympia" (carc.ox.ac.uk)
  • Ashmolean Museum, "Odyssey: the story of Odysseus in the ancient world"
  • UNESCO World Heritage Centre and ICOMOS 1998 evaluation, "Archaeological Site of Troy" (whc.unesco.org/en/list/849)
  • E. H. Cline, "Digging Up Troy", Lapham's Quarterly 2017
  • Merriam-Webster, "The Mythological Origin of Panic"
  • Online Etymology Dictionary entries panic, Atlas, atlas, mentor (etymonline.com)
  • UCSB English dept. notes on "mentor" (OED and American Heritage)
  • University of Iowa, "It's Greek to Me: Panic". Map coastlines: Natural Earth 1:110m (public domain).

Abgerufen: 2026-10-17