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Komplementwinkel, Supplementwinkel und Scheitelwinkel

Kreuze zwei gerade Stöcke, und du bekommst vier Winkel, aber nur zwei verschiedene Größen. Die gegenüberliegenden Winkel sind immer gleich.

Anliegende Winkel

Zwei Winkel liegen aneinander, wenn sie einen Scheitelpunkt und einen Schenkel gemeinsam haben und sich nicht überlappen, wie zwei nebeneinander geschnittene Kuchenstücke. Mit anliegenden Winkeln beginnt das Rechnen mit Winkeln, denn ihre Größen addieren sich einfach: Liegen ∠ABD = 30° und ∠DBC = 25° nebeneinander, ist der ganze Winkel ∠ABC 55°.

Paare, die zusammen 90° und 180° ergeben

Zwei Winkel heißen Komplementwinkel, wenn ihre Größen zusammen 90° ergeben, und Supplementwinkel, wenn sie zusammen 180° ergeben. Die Winkel müssen nicht nebeneinanderliegen; die Begriffe beschreiben die Summe, nicht die Lage. Jeder Winkel eines Komplementpaars heißt Komplement des anderen: Das Komplement von 35° ist 90 − 35 = 55°. Genauso ist das Supplement von 120° gleich 180 − 120 = 60°.

Links: ein rechter Winkel, geteilt in 35° und 55°, ein Paar von Komplementwinkeln. Rechts: eine Gerade, geteilt in 120° und 60°, ein Paar von Supplementwinkeln.

Füllen zwei anliegende Winkel zusammen eine Gerade aus, heißen sie Nebenwinkel, und Nebenwinkel sind immer Supplementwinkel. OpenStax nutzt das, um einen unbekannten Winkel zu finden: Ist ein Winkel an einer Geraden 35°, muss der Winkel daneben 180 − 35 = 145° sein. Nur spitze Winkel haben ein Komplement, denn bei 90° oder mehr bleibt nichts mehr zu ergänzen. Jeder Winkel unter 180° hat ein Supplement.

Scheitelwinkel

Wo sich zwei Geraden schneiden, treffen sich vier Winkel in einem Punkt. Nenne sie der Reihe nach a, b, c und d. Die einander gegenüberliegenden Winkel a und c sind Scheitelwinkel, ebenso b und d. Sie sind immer gleich groß, und die Begründung braucht zwei Geraden. Die Winkel a und b liegen an einer Geraden, also a + b = 180°. Die Winkel b und c liegen an der anderen Geraden, also b + c = 180°. Beide Summen sind 180° und beide enthalten b, also muss a gleich c sein.

a und c sind Scheitelwinkel, ebenso b und d. Je zwei Nachbarn bilden Nebenwinkel.
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Zum Drehen ziehen. Zum Zoomen scrollen oder mit zwei Fingern ziehen.

Zwei sich schneidende Geraden. Zieh, um die orange Gerade zu drehen: Das blaue Paar bleibt gleich, das grüne Paar bleibt gleich, und Blau plus Grün ergibt immer 180°.
HintergrundOpenStax Contemporary Mathematics merkt an, dass Thales von Milet, der im sechsten Jahrhundert v. Chr. lebte, als Erster entdeckt haben soll, dass die Winkel, die zwei sich schneidende Geraden bilden, die Scheitelwinkel, gleich groß sind. Das MacTutor-Archiv fügt vorsichtig hinzu, dass keine Schrift von Thales erhalten ist. Diese Entdeckungen kennen wir also nur durch viel spätere griechische Autoren.

Nach einer Unbekannten auflösen

Aus den Regeln für Winkelpaare werden Gleichungen. Angenommen, zwei Komplementwinkel messen 2x + 10 und x + 20 Grad. Ihre Summe ist 90, also 3x + 30 = 90 und x = 20. Die Winkel sind 50° und 40°, und die ergeben tatsächlich 90°. Setz den Wert von x immer wieder ein und prüfe die Summe; so fallen Vorzeichenfehler sofort auf.

Diese Paare kommen in jeder späteren Einheit wieder vor. In einem rechtwinkligen Dreieck ergeben die beiden kleineren Winkel immer 90°, sie sind also Komplementwinkel, und das steckt hinter der Komplementregel der Trigonometrie. Beachte auch: Das Supplement eines spitzen Winkels ist immer stumpf, das Supplement eines stumpfen Winkels immer spitz, und ein rechter Winkel ist sein eigenes Supplement.

  1. Komplement von 35°?
  2. Supplement von 35°?
  3. Supplement von 98°?
  4. Zwei Geraden schneiden sich. Ein Winkel misst 40°. Wie groß ist sein Scheitelwinkel?
  5. Dieselben Geraden. Wie groß ist der Winkel neben dem 40°-Winkel?
  6. Hat ein Winkel von 120° ein Komplement?
    • Nein
    • Ja, −30°
    • Ja, 30°
    • Ja, 60°
  7. Zwei Komplementwinkel messen 2x + 10 und x + 20 Grad. Wie groß ist x?
  8. Zwei Nebenwinkel messen 3x und x + 40 Grad. Wie groß ist der größere Winkel?
  9. Zwei Scheitelwinkel messen 5x − 12 und 3x + 18 Grad. Wie groß ist x?
  10. Zwei anliegende Winkel von 30° und 25°. Der ganze Winkel ist:
    • 55°
    • 5°
    • 150°
    • 125°
  11. Ein Winkel ist doppelt so groß wie sein eigenes Komplement. Wie groß ist der Winkel?
Das Wichtigste
  • Anliegend: gemeinsamer Scheitelpunkt und Schenkel, keine Überlappung; die Größen addieren sich.
  • Komplementwinkel: Summe 90°. Supplementwinkel: Summe 180°.
  • Nebenwinkel: anliegende Winkel, die eine Gerade füllen, immer Supplementwinkel.
  • Scheitelwinkel (gegenüber an einer Kreuzung) sind gleich groß.
Quellen zu diesem Kurs (5)
  • OpenStax, Contemporary Mathematics : 10.2 Angles (angle = two rays with a common endpoint, the vertex; naming ∠ABC and m∡; protractor use, centre mark on the vertex; acute < 90°, right 90°, obtuse between 90° and 180°, straight 180°; adjacent, supplementary (sum 180°), complementary (sum 90°), vertical angles equal; a transversal of two parallel lines makes eight angles numbered 1 to 8, alternate interior 3 and 6, 4 and 5, alternate exterior 2 and 7, 1 and 8, corresponding 1 and 5, 3 and 7, 2 and 6, 4 and 8: openstax.org/books/contemporary-mathematics/pages/10-2-angles)
  • 10.3 Triangles (interior angles add to 180°; Thales is credited with the equal base angles of an isosceles triangle and with vertical angles being equal: .../pages/10-3-triangles)
  • 10.4 Polygons, Perimeter, and Circumference (interior angle sum S = (n − 2)180°, heptagon 900°: .../pages/10-4-polygons-perimeter-and-circumference)
  • OpenStax Precalculus 2e 5.1 Angles (one degree is 1/360 of a full rotation; radian: openstax.org/books/precalculus-2e/pages/5-1-angles)
  • MacTutor History of Mathematics, University of St Andrews, "The trigonometric functions" (Ptolemy divides the circle into 360° showing Babylonian influence; 30′ is half of 1°: mathshistory.st-andrews.ac.uk/HistTopics/Trigonometric_functions/)

Abgerufen: 2026-10-17