Perspektivisches Zeichnen
Jede perspektivische Zeichnung entsteht so, als würdest du ein Bild auf einer gedachten Glasscheibe zwischen deinem Auge und der Welt nachzeichnen. Gehe durch einen 3D-Raum mit einem Augenpunkt und einer gläsernen Bildebene, wechsle zwischen Ein-, Zwei- und Dreipunktperspektive, erhöhe deine Augenhöhe und beobachte, wie sich der Horizont und die Fluchtpunkte bewegen.
Über diesen Kurs
Jede Perspektivzeichnung ist ein Bild, das auf eine gedachte Glasscheibe zwischen deinem Auge und der Welt gezeichnet wird. Im 3D-Raum kannst du um einen Augpunkt und eine gläserne Bildebene herumgehen, zwischen Einpunkt-, Zweipunkt- und Dreipunktperspektive wechseln, deine Augenhöhe anheben und zusehen, wie sich Horizont und Fluchtpunkte bewegen. Die Bildebene steht aufrecht, und eine Sichtlinie auf alles, was so hoch ist wie dein Auge, verläuft waagerecht und trifft das Glas deshalb in Augenhöhe. Darum ist die Horizontlinie deine Augenhöhe.
Die sieben Einheiten sind die Bildebene, die Horizontlinie, die Einpunktperspektive, die Zweipunktperspektive, die Dreipunktperspektive, das Messen in der Tiefe sowie Brunelleschi, Alberti und die Geschichte der Perspektive. Blickst du frontal auf die Rückwand, laufen alle Tiefenkanten im Raum auf einen Punkt direkt vor deinem Auge zu. In der Praxis liegen Fluchtpunkte oft außerhalb des Papiers, deshalb kleben Künstler zusätzliche Blätter an beide Seiten, statt die Punkte nach innen zu rücken und die Zeichnung zu verzerren. Für gleiche Abstände wie bei Zaunpfosten trifft eine Linie von der Spitze von Pfosten 1 durch die Mitte von Pfosten 2 die Bodenlinie am Fuß von Pfosten 3.
Die letzte Einheit erzählt die Geschichte. Die erste richtige Methode wird Filippo Brunelleschi (1377 bis 1446) zugeschrieben, dem Florentiner Architekten, der später die große Kuppel des Doms von Florenz baute, die 1436 vollendet wurde. Das Datum seiner Entdeckung ist nicht genau überliefert: Die historische Darstellung der University of St Andrews nennt etwa 1413, andere Darstellungen sprechen von etwa 1420. Er malte zwei Vorführtafeln von Florenz, eine vom achteckigen Baptisterium San Giovanni und eine vom Palazzo dei Signori, beide heute verloren.
Bevor du anfängst
Verhältnisse helfen bei Beispielen, die Höhe und Entfernung eines Gegenstands mit seiner Größe auf der Bildebene vergleichen. Suche zuerst den Augenpunkt und die Glasscheibe im Raum. Ihre Lage erklärt die Zeichnung, bevor du mit Horizontlinien arbeitest oder weitere Fluchtpunkte ergänzt.
Wenn du fertig bist
Du kannst den Horizont anhand der Augenhöhe bestimmen und Einpunkt-, Zweipunkt- und Dreipunktperspektive unterscheiden. Du kannst Tiefenkanten zu Fluchtpunkten verfolgen, Änderungen beim Drehen oder Neigen des Blicks erklären und projizierte Größen bei verschiedenen Entfernungen vergleichen. Du kannst auch die Idee der Glasscheibe hinter einer perspektivischen Zeichnung beschreiben.
- 1Die Bildebene: auf einem Fenster zeichnenEine 2 m hohe Tür in 6 m Entfernung vom Auge, auf Glas in 1.5 m Abstand vom Auge nachgezeichnet, ist genau 50 cm hoch.
- 2Die Horizontlinie ist deine AugenhöheAuf einem aufrechten Bild wird der Horizont immer auf der Höhe deines Auges gezeichnet: Hebst du dein Auge von 1.6 m auf 3 m, steigt der Horizont an der Rückwand mit.
- 3EinpunktperspektiveStehst du der Rückwand frontal gegenüber, läuft jede Tiefenkante im Raum, von den Bodenfliesen bis zu den Oberkanten der Wände, auf einen Punkt direkt vor deinem Auge zu.
- 4ZweipunktperspektiveDrehst du die Kisten um 30°, bekommt die Zeichnung einen zweiten Fluchtpunkt: Bei 1.5 m Glasabstand liegen sie 2.60 m rechts und 0.87 m links der Mitte.
- 5DreipunktperspektiveKippst du das Glas um 22° nach oben, treffen sich die senkrechten Kanten des Turms in einem dritten Punkt 3.71 m über der Mitte, während der Horizont 0.61 m darunter sinkt.
- 6In der Tiefe messen1.5 m hohe Pfosten in 4, 6 und 8 m Abstand vom Auge werden auf Glas in 1 m Abstand 37.5, 25 und 18.75 cm hoch gezeichnet: gleiche Schritte im Raum, schrumpfende Schritte auf dem Papier.
- 7Brunelleschi, Alberti und die Geschichte der PerspektiveBrunelleschis Testtafel des Florentiner Baptisteriums hatte ein kleines Loch an ihrem Fluchtpunkt; man sah von hinten hindurch auf einen Spiegel, und das gemalte Gebäude deckte sich mit dem wirklichen.
Quellen zu diesem Kurs (7)
- MacTutor (University of St Andrews)
- J J O'Connor and E F Robertson, Mathematics and art: perspective (mathshistory.st-andrews.ac.uk/HistTopics/Art/): Giotto's rules, Brunelleschi about 1413, the two panels, hole and mirror, Alberti De pictura 1435 and Della pittura 1436 dedicated to Brunelleschi, the visual pyramid definition, the tiled floor and the distance point, Ghiberti, Piero della Francesca, Leonardo's diminution numbers, Dürer 1525, Guidobaldo del Monte 1600, Desargues 1636 and 1639, Brook Taylor 1715 and 1719
- The Metropolitan Museum of Art, Heilbrunn Timeline of Art History, Florence and Central Italy 1400 to 1600 (metmuseum.org/toah/ht/08/eustc): Masaccio's Trinity applies Brunelleschi's perspective, Alberti On Painting 1435 to 1436, Alberti 1404 to 1472, the cathedral dome completed 1436
- Nelson-Atkins Museum of Art, Gaining Perspective (nelson-atkins.org/gates/gaining-perspective.html): Brunelleschi 1377 to 1446, Masaccio 1401 to 1428 and the Trinity about 1427, Ghiberti's Gates of Paradise 1425 to 1452
- Smarthistory and Khan Academy, Linear Perspective: Brunelleschi's Experiment (khanacademy.org, video transcript): vanishing point on the horizon line, orthogonals, the mirror test
- Alberti, On Painting, trans. Sinisgalli (Cambridge UP 2011)
- Book 1 §19: the rectangle as "an open window".
Abgerufen: 2026-10-17