Die Grenzwertsätze
Setzt du x = 9 in (√x − 3)/(x − 9) ein, erhältst du 0/0. Multiplizierst du Zähler und Nenner mit √x + 3, ergibt sich als Grenzwert genau 1/6.
Von Schätzungen zu exakten Werten
Tabellen liefern gute Vermutungen, beweisen aber nichts. Mit den Grenzwertsätzen berechnest du Grenzwerte exakt, indem du eine Funktion in einfache Teile zerlegst. Zwei grundlegende Grenzwerte bilden den Anfang: limx→a x = a und limx→a c = c für eine Konstante c. Im Graphen sind beide unmittelbar erkennbar. Die Sätze beschreiben dann, wie sich Grenzwerte verknüpfen lassen. Es gelte limx→a f(x) = L und limx→a g(x) = M, wobei beide Werte reelle Zahlen sind.
- Summe und Differenz: lim (f ± g) = L ± M.
- Konstanter Faktor: lim c·f = c·L.
- Produkt: lim f·g = L·M.
- Quotient: lim f/g = L/M, sofern M ≠ 0.
- Potenz: lim fn = Ln für eine positive ganze Zahl n.
- Wurzel: lim n√f = n√L (bei geradem n muss L mindestens 0 sein).
Nacheinander angewendet zeigen diese Sätze: Für jedes Polynom p gilt limx→a p(x) = p(a). Dasselbe gilt für eine rationale Funktion p(x)/q(x), sofern q(a) ≠ 0. Besteht eine Funktion aus Summen, Produkten und Quotienten mit x und ist der Nenner bei a nicht null, kannst du also meist einfach einsetzen. Das heißt direktes Einsetzen. Zum Beispiel: limx→3 (2x² − 3x + 1) = 18 − 9 + 1 = 10 und limx→2 (x² + 1)/(x + 3) = 5/5 = 1.
Wenn Einsetzen 0/0 ergibt
Interessant sind die Grenzwerte, bei denen das Einsetzen scheitert. Gehen Zähler und Nenner beide gegen 0, gilt die Quotientenregel nicht. 0/0 sagt vorerst nichts aus: Der Grenzwert könnte jede Zahl sein oder gar nicht existieren. Die Lösung ist eine Umformung zu einer Funktion, die für x ≠ a mit der ursprünglichen übereinstimmt und leichter zu behandeln ist. Das erste Werkzeug ist Faktorisieren. Bei (x² − 5x + 6)/(x − 3) ist der Zähler (x − 2)(x − 3). Für x ≠ 3 ist die Funktion also gleich x − 2, und der Grenzwert bei 3 ist 1. Kürzen ist erlaubt, weil der Grenzwert den Wert bei x = 3 selbst nie verwendet.
Das zweite Werkzeug ist das Erweitern mit dem konjugierten Ausdruck bei einer Quadratwurzel. Erweitere (√x − 3)/(x − 9) mit √x + 3. Der Zähler wird x − 9 und lässt sich gegen den Nenner kürzen. Es bleibt 1/(√x + 3). Jetzt klappt das Einsetzen: 1/(3 + 3) = 1/6. Bei Doppelbrüchen hilft als drittes Werkzeug, die kleinen Brüche zunächst auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. Alle drei Verfahren entfernen den Faktor, der beide Teile null werden lässt.
Der Sandwichsatz
Manche Grenzwerte lassen sich algebraisch nicht so leicht bestimmen. Hier hilft der Sandwichsatz: Gilt f(x) ≤ g(x) ≤ h(x) für x nahe a und haben f und h dort beide den Grenzwert L, dann hat auch g den Grenzwert L. Die Funktion ist eingeschlossen. OpenStax beweist damit anhand des Einheitskreises, dass (sin θ)/θ gegen 1 geht, wenn θ gegen 0 geht. In Einheit 2 ließ sich dieser Grenzwert nur mit einer Tabelle schätzen. Er wird später im Ableitungskurs zum entscheidenden Schritt bei der Herleitung der Sinusableitung.
Zum Drehen ziehen. Zum Zoomen scrollen oder zwei Finger auseinander- oder zusammenziehen.
- limx→3 (2x² − 3x + 1) = ?
- limx→2 (x² + 1)/(x + 3) = ?
- limx→3 (x² − 5x + 6)/(x − 3) = ?
- limx→9 (√x − 3)/(x − 9) = ? (Dezimalzahl, 3 Nachkommastellen)
- limx→−1 (x² − 1)/(x + 1) = ?
- Bei a gilt lim f = 4 und lim g = −2. lim (3f − g) = ?
- Dieselben f und g: lim f·g = ?
- Dieselben f und g: lim f/g = ?
- Dasselbe f: lim f³ = ?
- Einsetzen ergibt 0/0. Was sagt das über den Grenzwert aus?
- Noch nichts; forme die Funktion um
- Der Grenzwert ist 0
- Der Grenzwert existiert nicht
- Der Grenzwert ist 1
- Wenn nahe 0 gilt: 1 − x² ≤ g(x) ≤ 1 + x², dann ist limx→0 g(x):
- 1
- 0
- 2
- unbekannt
- Grenzwertsätze: Summen, konstante Faktoren, Produkte, Quotienten (Nenner ungleich null), Potenzen und Wurzeln.
- Polynome und rationale Funktionen mit q(a) ≠ 0: direkt einsetzen.
- Bei 0/0: faktorisieren, mit dem konjugierten Ausdruck erweitern oder Brüche zusammenfassen, dann einsetzen.
- Sandwichsatz: Eine Funktion zwischen zwei Funktionen mit demselben Grenzwert hat ebenfalls diesen Grenzwert.
Quellen zu diesem Kurs (5)
- OpenStax, Calculus Volume 1 , chapter 2 Limits: 2.1 A Preview of Calculus (tangent problem and area problem; secant slopes through (1, 1) on f(x) = x² with (2, 4) giving 3 and (3/2, 9/4) giving 2.5; rock s(t) = −16t² + 64 with average velocities −15.84 and −16.16 near t = 0.5; three rectangles under x² + 1 on [0, 3] giving 8: openstax.org/books/calculus-volume-1/pages/2-1-a-preview-of-calculus)
- 2.2 The Limit of a Function ((x² − 4)/(x − 2) → 4 at 2, (sin x)/x → 1 at 0 from a table, sin(1/x) has no limit at 0, one-sided limits of |x − 2|/(x − 2), infinite limits and vertical asymptotes, the formal definition appearing only in the late 19th century: .../pages/2-2-the-limit-of-a-function)
- 2.3 The Limit Laws (sum, difference, constant multiple, product, quotient, power and root laws; direct substitution; factoring and rationalizing 0/0 forms; squeeze theorem: .../pages/2-3-the-limit-laws)
- 2.4 Continuity (three conditions; removable, jump and infinite discontinuities; Intermediate Value Theorem: .../pages/2-4-continuity)
- 2.5 The Precise Definition of a Limit (.../pages/2-5-the-precise-definition-of-a-limit).
Abgerufen: 2026-10-17