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Wie Hangeul funktioniert

Hangeul wurde 1443 gezielt erfunden, und die Formen seiner Grundkonsonanten bilden Zunge, Lippen, Zähne und Kehle nach, die den jeweiligen Laut erzeugen.

Die meisten Schriftsysteme sind über Jahrhunderte langsam gewachsen, und niemand kann sagen, wer sie erfunden hat. Die koreanische Schrift ist eine Ausnahme. Im zwölften Mondmonat des Jahres 1443 vollendete König Sejong aus der Joseon-Dynastie einen neuen Satz von 28 Buchstaben und nannte ihn Hunminjeongeum, „die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes“. Drei Jahre später, 1446, erklärte ein gleichnamiges Buch, wofür jeder Buchstabe steht und warum er seine Form hat. Davor schrieben Koreaner mit chinesischen Schriftzeichen, deren Erlernen Jahre dauerte und die schlecht zur koreanischen Sprache passten. Heute heißt die Schrift Hangeul (im Deutschen oft Hangul geschrieben), und Südkorea feiert am 9. Oktober den Hangeul-Tag zur Erinnerung an das Buch von 1446.

Ein Alphabet in Blöcken

Hangeul ist ein Alphabet. Jeder Buchstabe steht für einen Konsonanten oder einen Vokal, so wie deutsche Buchstaben. Anders aussehen lässt es die Tatsache, dass die Buchstaben nicht in einer langen Zeile geschrieben werden. Sie werden zu quadratischen Blöcken gruppiert, ein Block pro Silbe. Das Wort für die Schrift selbst besteht aus zwei Blöcken. Der erste enthält drei Buchstaben, h, a und n. Der zweite enthält g, eu und l. Ein Leser sieht zwei quadratische Formen, aber darin stecken sechs Buchstaben. Sobald du die 24 Grundbuchstaben und die wenigen Arten kennst, wie sie gestapelt werden, kannst du jedes koreanische Wort lautieren, sogar eines, das du nie gesehen hast.

Konsonanten, vom Mund abgezeichnet

Das Buch von 1446 sagt, dass die fünf Grundkonsonanten Bilder der Sprechorgane sind. Der Buchstabe für g (giyeok) zeigt den Zungenrücken, der sich hebt und die Kehle verschließt. Der Buchstabe für n (nieun) zeigt die Zungenspitze, die den Zahndamm hinter den oberen Zähnen berührt. Der Buchstabe für m (mieum) ist die Form des Mundes. Der Buchstabe für s (siot) ist ein Zahn. Der runde Buchstabe (ieung) ist die Kehle. Probier es selbst: Sag g und spür, wie dein Zungenrücken nach oben drückt, dann sag n und spür, wie die Spitze den Zahndamm berührt. Die übrigen Konsonanten entstanden, indem man diesen fünf Striche für einen kräftigeren Laut hinzufügte. Der Buchstabe für k ist der g-Buchstabe mit einem zusätzlichen Strich, weil k mit mehr Atem gesprochen wird.

ㄱgiyeoktongue rootㄴnieuntongue tipㅁmieummouthㅅsiottoothㅇieungthroat ㆍdotheavenㅡeuearthㅣiperson 5 consonants · 3 vowel strokes
Die acht Ausgangsformen. Oben: die fünf Grundkonsonanten und der Teil des Mundes, den jeder abbildet. Unten: die drei Striche, aus denen alle Vokale gebaut sind, ein Punkt für den Himmel, ein flacher Strich für die Erde und ein stehender Strich für den Menschen.

Vokale aus Himmel, Erde und Mensch

Die Vokale folgen einer anderen Idee. Ihre drei Ausgangsformen sind ein runder Punkt für den Himmel, ein flacher Strich für die Erde und ein stehender Strich für den Menschen. Jeder andere Vokal ist ein langer Strich mit einem oder zwei angesetzten kurzen Strichen. In Handschrift und Druck ist der alte Punkt heute zu einem kurzen Strich geworden, sodass ein Vokal wie a aussieht wie ein stehender Strich mit einem kleinen Häkchen rechts. Der ursprüngliche Punktvokal selbst ist im modernen Koreanisch verschwunden, ebenso drei der alten Konsonanten. Deshalb wurde aus dem Satz von 28 Buchstaben von 1443 die Reihe der 24 Grundbuchstaben, die die koreanischen Rechtschreibregeln heute aufführen: 14 Konsonanten und 10 Vokale.

GruppeBuchstabenAnzahl
Grundkonsonantenㄱ ㄴ ㄷ ㄹ ㅁ ㅂ ㅅ ㅇ ㅈ ㅊ ㅋ ㅌ ㅍ ㅎ14
Grundvokaleㅏ ㅑ ㅓ ㅕ ㅗ ㅛ ㅜ ㅠ ㅡ ㅣ10
Doppelkonsonantenㄲ ㄸ ㅃ ㅆ ㅉ5
Zusammengesetzte Vokaleㅐ ㅒ ㅔ ㅖ ㅘ ㅙ ㅚ ㅝ ㅞ ㅟ ㅢ11

Die Tabelle zeigt den vollständigen Satz, dem du in diesem Kurs begegnest. Zuerst kommen die 24 Grundbuchstaben. Dazu führen die koreanischen Rechtschreibregeln fünf Doppelkonsonanten und elf zusammengesetzte Vokale auf, die durch Verbinden von Grundbuchstaben geschrieben werden. Jeder davon kommt in späteren Einheiten vor. Schau dir also vorerst nur die Formen an und achte darauf, wie oft dieselben wenigen Striche wiederkehren.

HintergrundWarum haben die Buchstaben so seltsame Namen wie giyeok und digeut? Die Namen stammen aus einem Schriftzeichenbuch für Kinder von 1527, verfasst vom Gelehrten Choe Sejin. Für die acht Konsonanten, die sowohl am Anfang als auch am Ende einer Silbe stehen konnten, zeigte er die beiden Positionen mit zwei chinesischen Schriftzeichen, einem Laut mit i und dann einem Laut mit eu: nieun, rieul, mieum. Für die Laute eug, eud und eus gab es im Chinesischen keine Schriftzeichen. Für drei Buchstaben wählte er deshalb die nächstliegenden, die er finden konnte, und die unregelmäßigen Namen giyeok, digeut und siot blieben hängen. Fünfhundert Jahre später sind sie noch immer die offiziellen Namen. Die übrigen Konsonanten wurden zu seiner Zeit nicht am Silbenende verwendet, deshalb gab er ihnen einsilbige Namen wie ki und ti. Ihre heutigen zweiteiligen Namen wurden in den Rechtschreibregeln von 1933 festgelegt. Der moderne Name Hangeul kam viel später. Er kam Anfang der 1910er-Jahre unter Gelehrten um Ju Si-gyeong in Gebrauch, und 1928 wurde der jährliche Tag der Schrift in Hangeul-Tag umbenannt.
Übung: Sprich die fünf Grundkonsonanten langsam, g, n, m, s und einen einfachen Vokal für den runden Buchstaben, und leg einen Finger dorthin, wo jeder gebildet wird: Zungenrücken, Zungenspitze, Lippen, Zähne, Kehle. Ordne dann jedes Gefühl seinem Buchstaben in der Abbildung zu.
Unter jeder Zeile siehst du die Schreibung in lateinischen Buchstaben. Sie folgt der Revidierten Romanisierung des Koreanischen, dem System auf südkoreanischen Verkehrsschildern, das das Kulturministerium 2000 erlassen hat und das Nationale Institut für die koreanische Sprache veröffentlicht. Wo ein Wort anders gesprochen als geschrieben wird, folgt die Romanisierung wie in den offiziellen Regeln dem Klang. Hör dir die Aufnahme an (die koreanische Stimme deines Geräts) und ahme den Klang nach, nicht die Buchstaben.
  • 한글 · Hangeul, das koreanische Alphabet
  • 가나다라 · die ersten vier Silben der Tabelle, wie ABCD
  • 훈민정음 · die richtigen Laute zur Unterweisung des Volkes
  • 세종대왕 · König Sejong der Große
  • 한국어 · die koreanische Sprache
  • 안녕하세요 · hallo
ㄱgiyeok · Zungenwurzel verschließt die Kehle
ㄴnieun · Zungenspitze am Zahndamm
ㅁmieum · der Mund
ㅅsiot · ein Zahn
ㅇieung · die Kehle
ㅡeu · flache Erde
ㅣi · ein stehender Mensch
한글hangeul · das koreanische Alphabet
Für das Diktat schalte eine koreanische Tastatur ein (auf den meisten Handys und Computern Koreanisch oder Koreanisch 2-Set genannt). Auf der Standardbelegung liegen die Konsonanten auf der linken Hälfte und die Vokale auf der rechten, und die Tastatur fügt die Buchstaben beim Tippen für dich zu Blöcken zusammen.

ㄱ 기역 ㄴ 니은 ㄷ 디귿 ㄹ 리을 ㅁ 미음 ㅂ 비읍 ㅅ 시옷 ㅇ 이응 ㅈ 지읒 ㅊ 치읓 ㅋ 키읔 ㅌ 티읕 ㅍ 피읖 ㅎ 히읗

  1. In welchem Jahr vollendete König Sejong die neuen Buchstaben?
    • 1392
    • 1443
    • 1910
  2. Wie viele Buchstaben hatte der ursprüngliche Satz?
    • 24
    • 28
    • 40
  3. Wie viele Grundbuchstaben führt die moderne koreanische Rechtschreibung auf?
    • 24
    • 26
    • 28
  4. Was bildet der Buchstabe ㄴ ab?
    • Die Zungenspitze am Zahndamm
    • Die Form des Mundes
    • Einen Zahn
  5. Welcher Buchstabe bildet die Form des Mundes ab?
    • ㅁ
    • ㅅ
    • ㅇ
  6. Warum hat ㅋ einen Strich mehr als ㄱ?
    • Sein Laut wird mit mehr Atem gesprochen
    • Es ist ein Vokal
    • Es wurde später erfunden
  7. Wofür stehen die drei Grundformen der Vokale?
    • Himmel, Erde und Mensch
    • Sonne, Mond und Sterne
    • Berg, Fluss und Baum
  8. Wie viele Buchstaben enthält der erste Block des Wortes Hangeul?
    • 1
    • 2
    • 3
  9. Wann ist in Südkorea der Hangeul-Tag?
    • 9. Oktober
    • 15. August
    • 1. März
  10. Woher stammen Buchstabennamen wie giyeok?
    • Aus einem Schriftzeichenbuch von 1527
    • Aus einem Gesetz von 1988
    • Aus einem Wörterbuch des 20. Jahrhunderts
  11. Tipp die beiden Blöcke, die Hangeul schreiben.
Das Wichtigste
  • Hangeul wurde 1443 vollendet und in einem Buch von 1446 erklärt.
  • Fünf Grundkonsonanten bilden die Sprechorgane ab, die Vokale stammen von Himmel, Erde und Mensch.
  • Buchstaben werden zu einem Block pro Silbe gestapelt. Heute gibt es 24 Grundbuchstaben.
Quellen zu diesem Kurs (15)
  • National Institute of Korean Language (국립국어원)
  • 한국어 어문 규범 (korean.go.kr/kornorms/regltn/regltnView.do): 국어의 로마자 표기법, 문화체육관광부 고시 제2014-42호 (2014-12-05; first issued 2000-07-07, 고시 제2000-8호)
  • 제2장 표기 일람 and 제3장 표기상의 유의점
  • 한글 맞춤법, 고시 제2017-12호, 제4항 자모 (24 letters, names, dictionary order; letter names from 최세진 훈몽자회 1527)
  • 표준어 규정 제2부 표준 발음법, 제2항 (19 consonants)
  • 제3·4·5항 (21 vowels, 10 monophthongs, ㅢ rules)
  • 제8~14항 (7 final sounds, liaison)
  • 제12항 (ㅎ)
  • 제17항 (palatalization)
  • 제18~20항 (nasalization, ㄹ)
  • 제23항 (tensing)
  • 국립국어원 온라인가나다, 훈민정음 창제 원리 (象舌根閉喉之形)
  • National Hangeul Museum (국립한글박물관, hangeul.go.kr): history page (opened 2014-10-09) and webzine 한박웃음 2020-10 no. 86 (ㆍ ㅡ ㅣ = heaven, earth, person; 28 letters)
  • webzine 2025-03 (주시경 1876~1914)
  • Korean Cultural Center New York, 한글 창제 정신과 원리 (kr.koreanculture.org, 2024-04-07): the name Hangeul from the early 1910s, 1928 가갸날 renamed 한글날. Unicode Standard, Hangul Syllables block U+AC00 to U+D7A3 (19 x 21 x 28 = 11,172).

Abgerufen: 2026-10-17